1960er Jahre – Gender und Medien im Frauen- und Damenfußball
In dieser Frühphase der Berichterstattung zum Frauenfußball in der DDR wurde häufig der Bezug zum männlichen Fußballsport hergestellt. So beispielsweise in einem Leserbrief von Fritz Große aus Leipzig, der sich mit seinen Zeilen für die Fußball spielenden Frauen einsetzte, zur Abgrenzung aber das Fazit zog, diese spielten nicht mit männlicher Härte: Außerdem war es ja auch nicht das Anliegen des Spiels, effektvolle Bilderbuchkombinationen vorzuführen oder mit echt „männlicher Härte“ den Gegnern den Schneid abzukaufen. Es ging einfach darum, sich sportlich zu betätigen, und zwar in einer Sportart, die diesen Frauen auch Freude bereitet.

Die Frauen aus Leipzig sorgten dafür, dass ihr Fußballsport sich ausweitete, auch wenn sie zu Beginn laut Große nicht immer ernst genommen wurden. In der Berichterstattung über den 1968 beginnenden Punktspielbetrieb in der Bundesrepublik waren es mitunter bereits die Namen der Teams, über die man(n) schmunzelte: Eintracht Kopftuch (Viktoria) und United Strumpfhose (Einigkeit) trugen am 1. Januar 1968 vor 500 Zuschauern und Zuschauerinnen ihr erstes Match aus; wenig später bildeten sich weitere Teams wie SV Minirock (TC Wilhelmsburg) und FC Schürze (Jahn). Auf privater Ebene wurden Pokalrunden und Turniere ausgetragen. Mithin, die Frauen etablierten sich in Fußballkreisen und nahmen eine Vorreiterinnenrolle in Hamburg und ganz Deutschland ein. Freilich zeigten diese ersten weiblichen Fußballteams in Hamburg, die zum Jahreswechsel 1968 gegründet wurden, eine gewisse Selbstironie bei der Namensgebung.

Einigen Zeitgenossen zufolge wäre der Damenfußball im Zirkus geendet, weil die Frauen nicht die spielerischen Fähigkeiten vorweisen konnten und ihr Spiel deshalb eher der Volksbelustigung diente. In einem Artikel für die West-Berliner Fußball- Woche zog ein Journalist im Oktober 1969 den Schluss, dass Fußball kein Damensport sei. Gleichwohl musste er in seinem Bericht konstatieren, dass ein Meisterschaftsspiel des Kreisklassenvereins TSV Weiß verlegt werden musste, weil die Damen – hier als Amazonen betitelt – mehr Zuschauer und Einnahmen brachten. Dieses Beispiel aus Köln war in der Umbruchphase vor der Aufhebung des Verbandsverbots kein Einzelfall.

Einer der Höhepunkte der geschlechtsspezifischen Berichterstattung vor Verbotsaufhebung war die Suche der West-Berliner Fußball-Woche nach einem Nachfolger für das Maskottchen Willie zur WM 1974 im eigenen Land. Einer der Vorschläge sah eine überaus kurvige Blondine mit bundesrepublikanischem Haarband und tiefem Ausschnitt vor.

Letztes Beispiel für diese Anfangszeit des Damenfußballs noch während des Verbandsverbots in der Bundesrepublik ist das Medienecho zum Spiel zwischen Schwarz- Weiß Landau und den Datschiburger Kickers aus Augsburg, das am 26. April 1970 als Vorspiel der Bundesligapartie zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem 1. FC Köln auf dem Betzenberg ausgetragen wurde. Aus der Berichterstattung ging unmissverständlich der damalige Zeitgeist hervor, wobei der Kommentar in seinem ironisierenden Duktus zugleich die geschlechterspezifischen Baustellen aufzeigte: Hilfe! Die Frauen sind dabei, nun auch die geheiligte Domäne der Männer zu erobern: den Fußballplatz. Nicht, wie sie meinen, als Fußballerbräute auf den Rängen, nein sie kicken jetzt auch, und das nicht einmal so schlecht. Auf dem Betzenberg fehlte ihnen zwar noch die Unterstützung der Weiblichkeit von den Tribünen – trotz Damenfußball waren nicht mehr Frauen als sonst gekommen – dafür jedoch hat die lautstarke Männerkulisse mit Kommentaren und Anfeuerungen nicht gegeizt.

In der Bundesrepublik bestimmte – nachdem die Bedenken bezüglich biologischer Differenzen und Konsequenzen ausgeräumt waren – der Blick auf die Äußerlichkeiten der Spielerinnen das Bild des Frauenfußballs. Die Meinung der Zuschauer über die kickenden Damen war mitunter wichtiger als das Ergebnis, weshalb zahlreiche Artikel sich eher mit der Tatsache beschäftigten, dass Frauen Fußball spielten, als davon zu berichten wie sie spielten. So waren Artikel wie der bereits zitierte aus der Rheinland- Pfälzischen Post vom 27. April 1970 zum regionalen Damenfußball keine Seltenheit. Auch ein zweiter Text vom selben Tag legte den Fokus auf die Beschreibung zweier Vertreterinnen der holden Weiblichkeit oder das ladylike Bemühen auf dem Platz.30 Der Fußball war angesichts der Frau daran noch Nebensache. Die berichtende Zunft hatte in Westdeutschland frühzeitig gelernt, mit den Gegebenheiten des Damenfußballs zu kokettieren. Diesbezüglich waren sie den DDR-Reportern durchaus voraus.