Anpfiff 1950er bis 1970er Jahre – Frauenfußball in der DDR
Nach Berlin, Magdeburg und einigen weiteren Bezirken wird in Halle der Frauenfußball ebenfalls einen beträchtlichen Aufschwung nehmen.

Frauenfußball in der DDR: mehr als nur Freizeit- und Erholungssport

Von den Anfängen im östlichen Mitteldeutschland
In der sportwissenschaftlichen Literatur finden sich zur Entwicklung des DDR-Frauenfußballs nur wenige – und zudem ungenaue – Angaben über die Anfänge dieses neuen Frauensports in der DDR, über den bislang keine wissenschaftliche Gesamtdarstellung vorlag. Lediglich populärwissenschaftliche Veröffentlichungen, wie der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung Verlacht, verboten und gefeiert von Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza sowie das neuere Werk Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennung von Rainer Hennies und Daniel Meuren, handeln in einzelnen Artikeln die Geschichte des DDR-Frauenfußballs kurz ab.

Als erste Mannschaft gilt zumeist die BSG Empor Dresden Mitte, 1968 vom Bulgaren Wladimir Zwetkov gegründet. Dies kann für die Ebene der Betriebssportmannschaften durchaus als zutreffend gelten, doch erste sportjournalistische Hinweise zum DDR-Frauenfußball gab es bereits im Jahr 1960. So berichtete Die neue Fußballwoche am 2. Februar 1960 von einem Frauenfußballspiel in Dresden. In der kleinen Fotoreportage ging es zwar v. a. darum, die Frauen in ihrem noch sehr laienhaften Umgang mit dem Ball darzustellen. Letztlich bildet aber dieser Artikel den frühesten Beleg für die Anfänge des Frauenfußballs in Dresden 1960. Zugleich lässt der Text vermuten, dass Frauen bereits vor 1960 in der DDR Fußball spielten. Schon der Umstand, dass die Anfänge noch weitgehend im Dunkeln lagen, deutet darauf hin, dass es sich um ungeplante, spontane Aktivitäten der Basis handelte, die weder vom Verband noch von der Sportpresse ernst genommen wurden.

Nicht um das Für und Wider!
Schon einmal änderten wir uns zum Thema Frauenfußball, weil sich vielerseits Neigungen der Frauen zu dieser Sportart zeigen. Koch sind diese Bestrebungen sehr Impulsiv, aber die ersten schüchternen Gehversuche wurden bereits. In fast allen Ländern unternommen. Auch aus unserer Republik gibt es Beispiele dieser Art. Unser Dresdener Fotoreporter war dabei, als es in der Elbestadt zu einem derartigen Vergleich kam. Seine Beobachtungen, optisch festfehalten und in der nebenstehenden Montag wiedergegeben, bestätigen das.

Wir wollen uns mit dieser Bildseite nicht festlegen, keinesfalls des Frauenfußballs im allgemeinen treffen. Seit langer Zeit schon erwägt man das Für und Wider, glaubt hier wie dort, von sachgemäßen Erwägungen ausgegangen zu ein. Die Auffassungen, so denken wir nach vielen Informationen behaupten zu können, sind verhältnismäßig gleich stark, die sich begrüßenswert dazu äußern und andererseits Bedenken anzubringen glauben.

Wir ließen uns bei der Veröffentlichung nebenstehender Aufnahmen nur von dem Gedanken leiten, unseren Lesern einmal aufzuzeigen, wie sich das „schwache“ Geschlecht in dieser typisch „männlichen“ Sportart verhält.

Kampfeseifer – Enttäuschung losere Fotomontage von Frauenfußballspiel in Dresden zeigt, mit welcher Begeisterung auch die Frauen dieser Sportart huldigen können. Besonders auf dem Bild in der Mitte ist das deutlich zu erkennen. Zwar wirken die Bewegungen im Kampf um den Ball noch etwas ungeschickt. aber von Kampfeseifer spricht diese Szene unbedingt: und gleichermaßen wechseln Freude über den Torerfolg wie Niedergeschlagenheit im Falle der Niederlage, Ganz oben steht man einerseits das Moment der Freude in den Gesichtern jener Spielerinnen, die soeben zum Torerfolg beitrugen, andererseits aber die Resignation der Torhüterin und den völlig fassungslosen Ausdruck der Verteidigerin (ganz rechts Im Bild). Sogar Entsetzen drückt die Haltung der Abwehrspielerin im Bild unten (rechts) aus. Es ist nicht mehr zu verhindern:


Das erste journalistische Zeugnis vom Frauenfußball in Mitteldeutschland aus dem Jahr 1960. Dargestellt ist ein Spiel zwischen Dresdner und Leipziger Frauen.

Erst einige Jahre später berichtete ein Leserbrief im Sportecho von einem Spiel Ende 1967 auf dem Platz der BSG Leipzig-Nordost, bei dem vier Mannschaften aus Halle, Wittenberg, Bergwitz und Leipzig in Turnierform gegeneinander antraten – wohlgemerkt Fußballerinnen. Der Einsender fragte weiter, warum eigentlich nicht auch die Frauen spielen dürften, denn sie verlören dabei nicht gerade an Grazie und Anmut. Er schloss mit einem Plädoyer für den Frauenfußball: Ich verstehe überhaupt nicht, weshalb der Frauenfußball allerorts so wenig für voll genommen wird. Die Mädchen aus Halle klagten zum Beispiel darüber, dass sie seit Juni keine Möglichkeit mehr zum regelmäßigen Training erhalten haben.

Die Gründerin der Frauenmannschaft der BSG Chemie Leipzig, Waltraud Horn, bestätigte in einem Interview, dass sie bereits im November 1967 den Deutschen Fußball-Verband der DDR darum gebeten hatte, den Frauenfußball in der Messestadt zu unterstützen. Das Antwortschreiben des DFV-Präsidenten Wolfgang Riedel, das sich noch in ihrem Besitz befindet, stammt vom 12. Dezember 1967 und muss als eine der ersten offiziellen Stellungnahmen zum Frauenfußball in der DDR angesehen werden:

Werte Sportfreundin!
Ihr Brief hat mir sehr viel Freude bereitet, und ich hatte Gelegenheit, ihn anlässlich der Jahresabschlussfeier der Fußballnationalmannschaft der DDR im Hotel Astoria am Sonntag, dem 10.12.1967, vorzulesen.

Spieler und Funktionäre waren über Ihr Interesse am Fußballsport sehr erfreut. Allerdings glaube ich nicht, dass wir uns in absehbarer Zeit mit Frauenfußball in der DDR befassen werden, aber es gibt ja bereits bei uns im Fußball schon weibliche Schiedsrichter, die vor allem für die Leitung von Jugendspielen eingesetzt werden. Vielleicht könnten Sie an einem Lehrgang für Schiedsrichter teilnehmen, um so in enger Verbindung mit dem Fußballsport zu stehen. Überlegen Sie sich das bitte einmal, vielleicht wird Ihr Name eines Tages auf diesem Gebiet bekannt. Indem ich Ihnen weiterhin alles Gute wünsche für Ihr Vorwärtskommen in der Schule und im weiteren Leben, verbleibe ich mit sportlichen Grüßen, gez. Riedel

Dass der DFV-Präsident diesen Brief vor der versammelten Herren-Nationalmannschaft während der Weihnachtsfeier vorgelesen haben soll, mag erstaunen. Weniger überraschend war die in diesem Brief dargestellte Auffassung, die zeigt, dass aktive Spielerinnen wie Waltraud Horn auf die Unterstützung des Verbandes nicht zählen konnten. Für Horn war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass sie Ihren eigenen Weg gehen musste. Nur ein Jahr später und nach einem weiteren Brief, diesmal an die Betriebssportgemeinschaft von Chemie Leipzig, wurde sie eingeladen, um ihr Anliegen zum Frauenfußball vorzutragen: Ich wurde erstmal persönlich eingeladen. Und habe dann mal mit den Leuten gesprochen. Die haben zugesagt und dann habe ich meinen Vati gefragt, ob der uns nicht trainieren wollte, weil er vorher schon Schiedsrichter gemacht hat und Übungsleiter bei den Knaben war. Und da hat er zugesagt.

Gemeinsam mit ihrem Vater baute Horn im Februar 1968 die erste Frauenfußballmannschaft in Leipzig auf. Parallel dazu entwickelte sich der Fußballsport auch in der Elbmetropole Dresden, wenngleich es noch bis Anfang der 1970er Jahre dauerte, ehe in diesen beiden Bezirksstädten und in Karl-Marx-Stadt Punktspiele ausgetragen wurden. Zwar tauchten in verschiedenen Zeitschriften schon zwischen 1960 und 1971 vereinzelte Artikel über Frauenfußballspiele auf, dabei handelte es sich aber meist um einmalige Spiele und die Mannschaften bestanden oft aus Volley- oder Handballerinnen, die – häufig auf Kleinfeld – Übungsspiele bestritten.


Spielerinnen der BSC Leipzig Nordost in einem ihrer ersten Spiele Ende 1967/Anfang 1968.

Die ostdeutschen fußballinteressierten Frauen kamen in den 1960er Jahren schon frühzeitig mit dem DFV der DDR in Berührung – insbesondere als Schiedsrichterinnen machten sie auf sich aufmerksam. Die ersten beiden Frauen, die 1964 dieses Amt im Juniorenbereich bekleideten, waren Nelly Hornung und Eva-Maria Liebethal. Hornung besuchte ab Februar 1964 die Schiedsrichterkurse und legte im Mai 1964 bei der HSG Universität Rostock ihre Prüfung ab. Im Anschluss leitete sie fortan Kreisklassen- und Juniorenspiele und arbeitete nach ihrer Aktivenkarriere innerhalb der Schiedsrichterkommission beim Kreisfachausschuss des DFV der DDR im Bezirk Rostock mit. Im
Altkreis Sebnitz in der Sächsischen Schweiz bestand Eva-Maria Liebethal am 12. Juli 196412 die Schiedsrichterinnenprüfung. Für Liebethal war es der Startschuss zu einer Laufbahn, die sie auch in den Männerfußball führte. Anfang der 1970er Jahre spielte sie selbst in Neustadt; 1972 absolvierte sie den Lehrgang für den Fußballübungsleiter Stufe 1, um u.a. später eine Schülermannschaft in Hohnstein zu trainieren. Liebethal erinnerte sich, dass sie vor der Einladung zum Schiedsrichterlehrgang einem Männerspiel an der Außenlinie beiwohnte. Da im Spiel der beste Spieler von Hohnstein unberechtigterweise vom Platz gestellt wurde, schrieb sie dazu einen kritischen Artikel in der Sächsischen Zeitung: Nach meiner Meinung war diese Entscheidung nicht richtig. Man sollte jedoch noch einmal über das Schiedsrichterurteil nachdenken. Immerhin kostete es den Hohnsteinern zwei Punkte, vielleicht sogar den Aufstieg.

Im Schreiben des Redakteurs, der ihr daraufhin antwortete, klingt durchaus Verwunderung an. Er bedankte sich für den Hinweis zum Spielbericht und gratulierte Liebethal zu ihrem außergewöhnlichen Interesse am Fußballsport. Nur drei Wochen später erhielt sie eine Einladung zum Schiedsrichterlehrgang. Erst im Zeitzeugengespräch fiel ihr auf, dass zwischen ihrer Kritik und der Möglichkeit, als Schiedsrichterin tätig zu werden, ein Zusammenhang bestanden haben könnte. Im Verhältnis der Frauen zum Fußball bilden die Beispiele von Hornung und Liebethal einzigartige Zeitzeugnisse und offenbaren, auf welchen Umwegen Frauen der Zugang zu diesem scheinbaren Männersport gelang. Eva-Maria Liebethal wurde Schiedsrichterin, Übungsleiterin und 1971 selbst Spielerin bei der BSG Fortschritt Neustadt, einem Nachbarort von Hohnstein in der Sächsischen Schweiz. Die Frauen, die diesen Sport ausübten, waren mit 100 Prozent Leidenschaft dabei, egal ob sie siegten oder eine Niederlage einstecken mussten. So geschehen im ersten Spiel im Juni 1971, das sie mit 0:6 gegen die BSG Empor Possendorf verloren. Nach diesem Spiel war es also beschlossene Sache: „Wir machen weiter! „ Wir – das waren ein reichliches Dutzend Frauen und Mädchen zwischen 14 und 37 Jahren. Die meisten wohnten in Neustadt und Umgebung (Langburkersdorf); aber auch aus der Kreisstadt Sebnitz, aus Hohnstein und sogar dem entlegenen Wilthen sowie Großdrebnitz kamen Spielerinnen.

Nach den Anfängen 1964 mit den beiden Schiedsrichterinnen an der Ostseeküste und in der Sächsischen Schweiz dauerte es scheinbar drei weitere Jahre, bis es in anderen Bezirken weibliche Unparteiische gab. Das Deutsche Sportecho berichtete am 3. Januar 1967 – in der Regel unter der Rubrik Blick in die Fußballwelt – von der ersten Schiedsrichterin im Bezirk Karl-Marx-Stadt, der 23-jährigen Ilona Stowacker. Nur drei Monate später folgte Karin Schulz aus Pößneck diesem Vorbild und wurde im Bezirk Gera die erste Schiedsrichterin, die ebenso Jugendspiele leiten sollten. Ihr Beispiel veranlasste dann Ende Januar 1967 auch Die neue Fußballwoche zu einem Hinweis darauf, dass eine Frau den Schiedsrichterlehrgang absolviert habe.

Mit den ersten Schiedsrichterinnen kann aus heutiger Sicht der nächste Schritt zum Einstieg in den DDR-Frauenfußball belegt werden. Weitere Veröffentlichungen in den beiden größten Sportzeitungen der DDR unterstützen diese These, auch wenn es nicht um Fußballfrauen im engeren Sinne ging.

Innerhalb der Rubrik Mein schönstes Fußballerlebnis erwähnte die FUWO im Januar 1967, dass die Redaktion unter der Vielzahl von Einschreiben sogar eines von einem fußballbegeisterten Mädchen bekommen habe. Zwar wurde der Text leider nicht abgedruckt; aber in der Summe illustrierten zahlreiche Meldungen, Hinweise, Leserbriefe und in Texte zum Männerfußball eingestreute Anmerkungen auf vielfältige Weise die kleinen Anfänge vom Einzug der Weiblichkeit in die scheinbare Männerdomäne Fußball. So auch im Februar und März 1968: Zwei junge Mädchen [Hervorhebung im Original, C. L.] lassen in Halle und Bernburg Fußballer nach ihrer Pfeife „tanzen“. Der 18jährige Fotografenlehrling Sybille Olschewski aus der Bezirkshauptstadt sowie die erst 16jährige Angelika Hohmann aus Baalberge legten noch im vergangenen Jahr mit Erfolg ihre Schiedsrichterprüfung ab und bestanden inzwischen auch ihre erste Feuertaufe.

Es war der erste Satz, der dem Leser ins Auge stach und dabei die im Fußball ungewohnte Rollenverteilung andeutete – und vor Augen führen sollte. Gleichzeitig können die Beispiele der insgesamt vier Schiedsrichterinnen als wichtiger Meilenstein für die Frauenfußballbewegung in der DDR gesehen werden. Dies erkannte, wenigstens teilweise, auch ein Potsdamer FUWO-Leser mit seinem Dank an die Fußballfrauen nur eine Woche später an: Ich freue mich jedesmal, wenn ich in der Fuwo lese, dass zwei junge Mädchen, wie zuletzt in Halle und Bernburg, als Fußballschiedsrichter tätig geworden sind. Ja unser geliebter Fußball ist zwar ein harter Männersport, doch erobert er sich auch mehr und mehr unsere Frauen.

Allerdings verstand der Leserbriefschreiber die Rolle der Fußballfrauen – nach wie vor – als Zuschauerinnen, verständnisvolle Ehefrauen und Funktionärinnen und wollte ihr Wirken v. a. anlässlich des Internationalen Frauentages würdigen.

Zurück zur medialen Wahrnehmung des Frauenfußballs in der DDR. Zwar erschienen innerhalb der Verbandszeitschrift FUWO 1968 keine weiteren Artikel zu den Aktivitäten der Fußballfrauen. Dafür vermeldete das Deutsche Sportecho, das die Berichterstattung der FUWO acht Jahre zuvor geflissentlich übersah, den Beginn des Frauenfußballs in der DDR für das laufende Jahr 1968: Dresden. (Sportecho-Korr.) Die erste Frauenfußballmannschaff des Bezirks Dresden wurde bei der BSG Empor Mitte Dresden gebildet. Sie trainiert wöchentlich zweimal und schlug kürzlich die Frauenelf von Lok Leipzig Nordost mit 3:2.

Dieser Annahme folgt die populärwissenschaftliche Literatur bis heute weitgehend, während die FUWO-Veröffentlichung von 1960 weiterhin nicht zur Kenntnis genommen wird.

In den Berichterstattungen der offiziellen Sportzeitungen der DDR von 1969 bis 1971 trat der Frauenfußball weiterhin nur spärlich in Erscheinung. Im Jahr 1969 erschienen beispielsweise zwei Beiträge aus Leipzig und Halle und sogar über den Europapokal der Frauen in Italien wurde berichtet. Der Artikel Vor dem ersten Großereignis erzählt die Entwicklung der Frauenmannschaft von Chemie Leipzig. Dem Leserklientel entsprechend aufbereitet, erklärt Spielführerin Waltraud Horn, dass ihre Frauenschaft sich aus zehn Anhängerinnen von Chemie (Leipzig) und acht Lok (Leipzig)-Freundinnen zusammensetzte. Daran, so Horn, dürften sich die Männeranhänger ruhig orientieren. Ihr erstes Spiel bestritten die Messestädterinnen am 20. September 1969 in Dresden. Dass dieser Artikel, obwohl Frauenfußball nicht offiziell im Verband vertreten war, es auf die beliebte letzte Seite schaffte, darf als Erfolg gewertet werden.

Auch die begehrte zweite Leserbriefseite eröffnete in der letzten Dezemberwoche 1969 die Berichterstattung über den sogenannten Damenfußball in Halle. Erstmalig war hier von Damenfußball die Rede. Inhaltlich ging es um die sportliche Betätigung von zehn Hallenserinnen, die aus einer fördernden Mitgliedschaft beim HFC Chemie heraus angefangen hatten, in Mannschaften zu viert Fußball zu spielen: Was den Club betrifft, so wurde uns zwar viel versprochen, doch bis jetzt nichts gehalten. In Dresden und Leipzig scheint das anders zu sein. In zehn bis 20 Jahren wird sich Damenfußball sicherlich genauso durchsetzen wie Damenhockey oder Damenhandball. Wenn jemand behaupten will, dass Fußball zu hart für Frauen sei, dann sollte man ihn darauf verweisen, dass Frauen ja auch im Judo aktiv sind.

Vor allem die darin anklingen bestehenden Widerstände, denen fußballbegeisterte Frauen in der DDR anfangs begegneten, aber auch die damit verbundene Hoffnung, dass Damenfußball, wie Sabine Richter es hier nannte, in 20 Jahren genauso anerkannt sein würde wie Damenhockey oder -handball, waren bezeichnend. Ferner ging Richter in ihrem Artikel darauf ein, dass es Frauenmannschaften gab, die auf Groß- und Kleinfeld spielten, was eine weitere Bestätigung dafür ist, dass Frauen auch schon vor 1969 auf dem Großfeld aktiv waren.

Im Jahr 1970 blieb die FUWO ihrer Tradition treu: Wenn sie sich zum Frauenfußball äußerte, dann nur im Rahmen des Internationalen Frauentages. Ansonsten war, wie Günter Simon – langjähriger stellvertreten der Chefredakteur der FUWO – im Interview erklärt, der Frauenfußball in der DDR v. a. in den Anfängen für seine Redaktion nicht von Belang. Was indes keineswegs bedeutete, dass er dort nicht erwähnt wurde. Für Simon steht heute fest, dass sich damals nur Insider und Liebhaber mit dem Frauenfußball beschäftigten. Faktisch war es aber gerade jenen Unermüdlichen, die von Beginn an mit Begeisterung für ihren Sport eintraten, zu verdanken, dass die Entwicklung des Frauenfußballs und auch die Berichterstattung darüber nicht auf dem Level von 1970 stehen blieb. Zumindest das Engagement der Frauen wurde auch schon damals anerkannt: Eine nicht unerhebliche Anzahl weiblicher Fußballenthusiasten ist ebenso wie ihre männlichen Kollegen unermüdlich für unseren Sport tätig, als Schiedsrichterin, Betreuerin, Funktionärin und auch Übungsleiterin.

Freilich waren Lobeshymnen wie diese noch zumeist unvermeidliche Begleiterscheinungen des Frauentags. So stellten der Kommentar und das dazu passende Titelbild im März 1970 die 19-jährige Petra Peitzer vor, die seit drei Jahren beim BFC Dynamo Dresden eine Kindermannschaft betreute und demnächst einen Übungsleiterschein machen wollte. Die FUWO – und damit wohl auch der Verband – wurde mit den weiblichen Aktivitäten im Fußball zunehmend häufiger konfrontiert, wie weitere Berichte vom März 1970 belegen. Vor allem der knackig formulierte Artikel Rostocker „Deerns“ auf Fußballjagd übermittelt die Faszination, die Frauenfußball im Küstenbezirk mittlerweile besaß: Den Anstoß im wahrsten Sinne des Wortes hatte eigentlich die talentierte 17jährige Marion Bialas, die Tochter des ehemaligen Oberligaspielers Franz Bialas, gegeben und kaum gehofft, dass sich nach einem Aufruf in der „Ostsee-Zeitung“ hundert Mädchen und Frauen in der Wohnung ihrer Eltern melden würden. Nur eine Sorge haben die Rostocker Fußball-Damen gegenwärtig noch – wo bekommen sie Gegnerinnen her?

Die BSG Post Rostock nahm damals sogar gleich zwei Damenmannschaften auf. Doch der im selben Jahr stattfindende IV. Verbandstag des DFV der DDR erwähnte den Frauenfußball noch mit keiner Silbe.

Interessanterweise wagte aber die FUWO einen frauenfußballerischen Blick ins Ausland und berichtete in der 29. Ausgabe über die erste Weltmeisterschaft der ball-tretenden Amazonen, die in Italien ausgetragen wurde. Vor 35.000 Zuschauern setzte sich Dänemark im Finale gegen Italien durch und sicherte sich somit die erste begehrte Martini-Trophäe. Bei dem Turnier waren neben den Finalistinnen auch die Frauenmannschaften aus England, Österreich, der Schweiz, Mexiko und der Bundesrepublik Deutschland mit dabei: 35.000 Zuschauer – die Mehrzahl dürfte allerdings deshalb gekommen sein, um die attraktiven jungen Damen in ihrer knappsitzenden Sportkleidung zu begutachten – erlebten in Turin das Finale, in dem Dänemark dem Gastgeber eine 2:0 (1:0) Lektion erteilte. Auch Brasiliens weiblicher Zunft hatte man eine Einladung für das Turnier geschickt, dessen Begegnungen über eine Spielzeit von 70 Minuten gingen. Aus dem Land des Weltmeisters war jedoch eine Absage eingegangen: Man wolle den makellosen Ruf nicht aufs Spiel setzen, den Pele, Gerson und Carlos Alberto in Mexiko begründet haben. In der Tat gehen die Meinungen über die Ernsthaftigkeit des Frauenfußballs jedoch nach wie vor weit auseinander. Während die einen auf das offensichtlich immer größer werdende Interesse hinweisen, warnen v. a. Sportmediziner vor den Eigenarten und den Anforderungen der „männlichen“ Sportart.


Marion Bialas (vorne links), Tochter eines erfolgreichen Oberligaspielers aus Rostock, bei einer Trainingseinheit, April 1971.

Der Stil des Artikels führt zu der Frage, warum die FUWO diesen so abgedruckt hat, wobei anzunehmen ist, dass sie sich letztlich weitgehend an der Meldung der Presseagentur orientierte. Letztlich wurden in der Berichterstattung die allgemeinen Anfangsprobleme der internationalen Frauenfußballbewegung ersichtlich, denen sich auch die DDR-Frauen nicht entziehen konnten. Ohne Umwege auf die Äußerlichkeiten eingehend, offenbarte die FUWO ihre strickte männliche Perspektive dann in der Jahresabschlussausgabe 1970, auch in ihrer Illustration: Zu sehen war die Spielerin Desiree Bolle, Torschützenkönigin der Damen in der Kreisklasse Weißensee, bekleidet mit nur einem schwarz-weiß gestreiften Büstenhalter, Hose und passenden Stutzen. Natürlich war die FUWO eine Zeitschrift, die sich auf männliche Leser spezialisiert hatte. Dass allerdings auch im DDR-Fußball die Verbindung von Sex und Sylvester bemüht wurde, muss wohl den Anfängen bzw. der noch nicht gefestigten Rolle des Frauenfußballs zugeschrieben werden.

Zeigte sich hier, dass in der Frühphase des DDR-Frauenfußballs der Eintritt in die sogenannte Männerdomäne nur über Äußerlichkeiten erreicht werden konnte? Ermöglichte man deswegen allenfalls innerhalb der Leserbriefe und der Rubrik Einwürfe die Berichterstattung über Fußballerinnen? Der Zugang zum Frauenfußball in der Fußballwoche und im Deutschen Sportecho sollte sich erst mit der Einführung der DDR- Bestenermittlung 1979 maßgeblich ändern.

Auch im Deutschen Sportecho war in den Jahren zwischen 1968 bis 1970 nicht allzu viel zum Frauenfußball zu lesen. Lediglich zwei Artikel berichteten über die Fußballfrauen, die Leipzig als festen zweiten Standort in Mitteldeutschland sahen. Während im Januar 1969 die Leutzscher Fußballabteilung vorgestellt wurde, gingen auch einige Zeilen auf die Geschicke der Frauen ein: Mag es wie ein Spaß klingen: man wird sich in Leutzsch auch des Frauenfußballs annehmen, nachdem bei Lok Leipzig Nordost eine Frauenmannschaft entstand und von Chemie-Anhängerinnen eine Vertretung der „Mädchen, Bräute und Frauen gewünscht wurden.

Die hiesige Wortwahl schloss sich den Anfangsgedanken zum Frauenfußball an. Ferner war es erneut dem Fußballliebhaber Fritz Große aus Leipzig zu verdanken, der die Diskussion zum Frauenfußball im Deutschen Sportecho mit der Frage weiter anschürte: Warum nicht auch sie?! In seinem Leserbrief sprach er von einer Mädchenfußball- Mannschaft, die mit Fleiß und großer Begeisterung trainiere und jetzt mit Mannschaften der BSG Chemie und LVB in Leipzig sowie mit Empor Halle sogar Gegnerinnen aus der eigenen Region habe. Zudem wies Große daraufhin, dass in Dresden und Rostock Mädchen mit dem Fußballspielen angefangen hätten. Für die Messestadt stellte er als Befürworter des weiblichen Ballsports bereits im Januar 1968 die alles entscheidende Frage: Sollte man die bisherige Voreingenommenheit nicht endlich überprüfen?