Steigende Mitgliederzahlen öffentliche Wahrnehmung – DFB-Nationalmannschaft Frauen
Vor ein paar Jahren, als die Amazonen sich anschickten, in eine Domäne der Männer einzubrechen, rümpften viele die Nase: Fußball für Frauen – das schien manchem eine fast schon unmoralische Geschichte. Doch der holden Weiblichkeit gelang es, die Front im Fußball-Verband aufzuweichen.

Ende des Jahres 1980 waren von 17 Millionen Mitgliedern im Deutschen Sportbund 5,7 Millionen Frauen, von denen zu diesem Zeitpunkt 385.000 als Spielerinnen beim Deutschen Fußball-Bund registriert waren. Im Vergleich dazu waren nur 200.000 Frauen Mitglied im Deutschen Handball-Bund. Zehn Jahre nach Aufhebung des DFB- Verbots zum Damenfußball schien sich die gesellschaftliche Sichtweise zum weiblichen Kick zumindest regional nachhaltig zu ändern. Im süddeutschen Raum ging man sogar so weit zu behaupten, der Fußball habe längst sein Privileg verloren, einen Sport vorzustellen, der reine Männer (oder Herren?)sache ist.

Der Damenfußball führte dabei noch immer zum Teil ein Schattendasein, weil die Medien und Funktionäre vielerorts die Auffassung vertraten, dass die Frauen trotz ihrer grundsoliden Technik die Attribute des harten Zweikampfs, der Brisanz im Ausgang des Spieles, der kraftvollen Spurts und Schüsse vermissen ließen.

In diesem Spannungsfeld versuchte sich der Damenfußball als eine eigene Sportart zu etablieren. Dafür benötigten die Fußballerinnen in der Bundesrepublik zum einen die Unterstützung des immer noch fast vollständig männlich dominierten DFB und zum anderen die Nachwuchskräfte der Mädchen.

Nachdem 1979 beim DFB auf höchster Ebene ein Arbeitskreis mit dem Titel Gebt Mädchen eine Chance! eingerichtet worden war, griffen fortan die Mechanismen der Nachhaltigkeit im Damenfußball durch Nachwuchsarbeit. Der Arbeitskreis kam zu dem Ergebnis, dass die Vereine zukünftig in Kooperation mit den Schulen die wichtige Basisarbeit vorantreiben müssten. Der damalige Vorsitzende Fritz Vollmer stellte den Landesverbänden hinsichtlich der Aktivitäten im Damenfußball in den letzten zehn Jahren ein kritisches Zeugnis aus. Sie hätten diesen nur schleppend unterstützt, weil viele Verbandsfunktionäre sich noch nicht sicher gewesen seien, ob dieser eine Sportart mit Zukunft sei. Aus Sicht des Arbeitskreises hatten die – glücklicherweise – Fußballerinnen in der Bundesrepublik selbst die Antwort auf diese Zweifel gegeben: Rund 2.000 Damen- und Mädchenmannschaften spielen heute im DFB ihr Spiel. Viermal bereits wurde die deutsche Meisterschaft ausgetragen. Wer die Spiele erlebte oder am Fernsehen beobachtete, der konnte sich über diese Entwicklung nur freuen.

Hamburg und Berlin verzeichneten indes bereits seit 1974 Mädchenteams, die auch in den Jahren danach ihre eigenen Wettkämpfe austrugen. Doch die Anzahl der Mädchenmannschaften schien zu stagnieren: 1979 waren es 494 im DFB, wobei Württemberg, Westfalen und Niedersachsen die stärksten Verbände im Nachwuchsbereich stellten. Die Nachwuchsproblematik war alsbald auch in den Medien präsent, wie der folgende Ausschnitt eines Artikels aus der Süddeutschen Zeitung beispielhaft zusammenfasste: Wichtigster Ansatzpunkt für Kritik ist aber die mangelnde Basisarbeit in den Vereinen und an den Schulen. Ohne sie wird der Damen- und Mädchenfußball-fußball in naher Zukunft kaum zur erhofften Stellung und Anerkennung finden: Immer hin ist in etwa zwei Jahren die Gründung einer Nationalmannschaft geplant.

Deshalb führte beispielsweise der Bayerische Fußball-Verband noch 1981 eine erste Mädchenauswahl ein. Referentin für Damenfußball im BFV wurde Christel Rother. Jahrelang arbeitete sie unermüdlich für den weiblichen Fußball in Bayern und später im wiedervereinigten Deutschland.

Für den Landesverband Berlin hat die Analyse der deutschlandweit und für West- Berlin berichtenden Fußball-Woche gezeigt, dass die Vereine auf der Suche nach neuen Spielerinnen häufig Anzeigen aufgaben. Beim DFB rückte schließlich Anfang der 1980er Jahre die Nachwuchsarbeit ins Zentrum bei der Unterstützung des Damenfußballs: Wie Jungen, so haben auch Mädchen ein Recht auf Bewegung und Spiel. Das Spiel hat eine vielfältige Bedeutung als Hilfe für die Entwicklung junger Menschen und als wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Bildung. Es vermittelt Freude, Gesundheit, Fitness und verlangt persönliche und soziale Tatbeweise. So gesehen, ist gerade das Fußballspiel eine Hilfe zur Selbsthilfe und muss in vermehrtem Maße auch für Mädchen gefördert werden. Die verstärkte Förderung des Mädchenfußballs ist deshalb ein Gebot der Stunde. Dies gilt als Aufforderung gleichermaßen für Schule, Verein und Verband.


Im Ruhrgebiet warb man scheinbar schon frühzeitig – in den 1970er Jahren – für den Damenfußball

Auf dem 30. Fußball-Bundestag im Herbst 1981 versuchte der DFB, gegen sein schlechtes Image als stark konservativer Verband vorzugehen. Trotzdem kam es auch in der Folgezeit zu Berichten, in denen den Frauen vorgeworfen wurde, mit ihrem Fußballspiel den Männertraum zu zerstören. In diese Zeit fiel auch die Einladung an den DFB zur inoffiziellen Weltmeisterschaft für Frauenfußball in Taiwan. Da der DFB noch keine eigene Frauen-Nationalmannschaft aufgestellt hatte, entschied man sich, die Vereinsmannschaft der SSG 09 Bergisch Gladbach unter der Meistertrainerin Anne Trabant-Haarbach nach Taiwan zu schicken. Mit einem 20-köpfigen Team und den drei Mannschaftsbetreuern Hans Gronewold, Franz Josef Schüller und Ludwig Bonito in den fernen Osten aufgebrochen, kehrten die Gladbacherinnen als Vertreterinnen des Team Germany als Siegerinnen aus Taiwan zurück.

Weil der DFB das Turnier nicht als offizielle Weltmeisterschaft anerkannte, sondern den Weltcup nur als eine inoffizielle Veranstaltung registrierte, erfolgte keine finanzielle Unterstützung von Verbandsseite. Das Trainer- und Betreuerteam der SSG 09 Bergisch Gladbach hatte die notwendigen 28.000,- DM durch Sponsorengeider selbst zusammengetragen.

Knapp 400.000 Spielerinnen in 2.701 Mannschaften sowie dieser erste erfolgreiche Auftritt des westdeutschen Damenfußballs im Ausland führten letztlich dazu, dass die Verbandsfunktionäre, allen voran Präsident Hermann Neuberger, schließlich doch den Aufbau von professionelleren Strukturen im Damenfußball befürworteten. So wurde beispielsweise das noch 1979 eingeführte Verbot von Werbung bei Frauen- und Jugendmannschaften 1981 aufgehoben. Doch der wichtigste Schritt für die Entwicklung des Damenfußballs in der Bundesrepublik sollte die Berufung von Gero Bisanz als Trainer zum Aufbau einer Nationalmannschaft werden. In Zusammenarbeit mit Hannelore Ratzeburg und Anne Trabant-Haarbach sowie ab 1986 mit Tina Theune-Meyer legte er die Basis für eine erfolgreiche Arbeit der Nationalmannschaft.