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Der Gewinn der Europameisterschaft und seine Folgen – Frauenfußball Geschichte
Der Titelgewinn der Europameisterschaft in Osnabrück bedurfte einer Vorbereitung von insgesamt sieben Jahren. In den ersten zwei Jahren musste sich die Nationalmannschaft personell zusammenfinden. Bisanz wählte bewusst den Weg des langsamen Aufbaus und stellte sein Team aus jungen talentierten und älteren erfahrenen Spielerinnen zusammen. Spätestens seit dem Eintritt Tina Theune-Meyers ins Trainerteam der Nationalmannschaft 1986 konnte auch die von Bisanz geforderte strukturelle Nachwuchsgewinnung auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene durchgesetzt werden.

1983 forderte ein Bericht des DSÄB unter Mitarbeit von Hannelore Ratzeburg eine einheitliche Organisation des Damenfußballs innerhalb der Landesfußballverbände. Die Kompetenzen sollten klar zugeteilt werden. Auf den 92 Seiten des Berichts erfuhr man nicht nur, wie sich die Deutsche Meisterschaft entwickelte und wie es zur Einführung von Auswahlmannschaften und des Länderpokalwettbewerbes gekommen war. Das Dokument räumte auch mit den gängigen Vorurteilen auf, dass der Fußball spielende Frauen besonders verletzungsanfällig seien und die harte Gangart in den Zweikämpfen gegen das Naturell der Frau verstoße. Aufbauend auf biomechanischen, trainings- und sozialpsychologischen Erkenntnissen zum Damenfußball und konkreten Vorschlägen zum Training von Frauenteams, zählte dieser Beitrag aus dem Jahr 1983 zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem weiblichen Fußballsport in der Bundesrepublik.

Bisanz selbst wählte die gleiche Trainingsmethodik, die er schon im männlichen Trainingsbereich angewandt hatte. Ein wesentlicher Unterschied zum Männerfußball bestand für ihn nicht: Ich hatte Tina um mich herum und einen Stab von fünf, sechs Leuten. Ich habe die Auffassung vertreten, dass das Training im Frauenbereich nicht anders zu handhaben ist als im Männerbereich. Das war der gleiche Inhalt. Vielleicht musste ich mit der Ansprache ein bisschen vorsichtiger sein. Nachher war es im Bereich genauso laut wie bei den Männern. Wenn man auf dem Feld ist, muss man schon mal laut brüllen, wenn eine Spielerin dahinten ist und irgendwas falsch macht. Das ist ja kein persönliches Anbrüllen der Frau oder der Spielerin, sondern dazu da, um sich verständlich zu machen. Deshalb habe ich inhaltlich voll und ganz so gearbeitet, wie ich das mit den Männern getan habe.

Grundsätzlich war für Bisanz Leistung das oberste Kriterium: Wenn eine Spielerin sportlich nicht mitzog, hatte sie keine Zukunft in der Nationalmannschaft. In Vorbereitung auf die Europameisterschaft im eigenen Land entstand eine verjüngte Mannschaft. Die Stützen des Teams waren Silvia Neid, Heidi Mohr, Uschi Lohn, Sissy Raith, Doris Fitschen, Martina Voss und Marion Isbert im Tor. Die UEFA-Europameisterschaft wurde 1989 nur unter 17 Nationen ausgetragen, während beispielsweise 2009 in Finnland bereits 33 Nationen in die Qualifikation zur Hauptrunde gingen. Am Ende spielten 16 Nationen in vier Gruppen um den Einzug ins Viertelfinale. 1989 hingegen waren es nur vier Nationen, darunter auch das Team von Gero Bisanz, die in nur einer Woche mit je einem Halbfinal- und Finalspiel den Titel der Europameisterinnen ausspielten. Den Grundstein des Erfolges legte der 5:4-Halbfinalsieg im Elfmeterkrimi gegen Italien am 28. Juni 1989 im Siegener Leimbachstadion. Im zweiten Halbfinalspiel siegte Norwegen mit 2:1 gegen Schweden.

Im Endspiel konnte die DFB-Nationalmannschaft abermals überzeugen und holte sich sieben Jahre nach ihrer Gründung den ersten wichtigen internationalen Titel, der für Bisanz verdientes Ergebnis ihrer souveränen Spielweise war: So wie der Gastgeber zwei Jahre zuvor in Oslo dem Titelverteidiger die Krone abgeluchst hatte, so sollte auch die Bundesrepublik den amtierenden Europameister Norwegen entthronen. Mit einem 4:1-Triumph durch zwei Treffer von Ursula Lohn und je ein Tor von Heidi Mohr und Angelika Fehrmann – für Letztgenannte sollte es das einzige Länderspieltor bleiben – gewannen die Damen ein Jahr vor der Wiedervereinigung erstmals die Europameisterschaft. Es sollte nicht der einzige EM- Titel bleiben.

In der Geschichte des deutsch-deutschen Frauenfußballs bedeutete dieser Gewinn der Europameisterschaft einen weiteren Meilenstein. Die kurze, aber umfassende Medienaufmerksamkeit, die die Fußballerinnen dadurch erhielten, sollte für die weitere Entwicklung von hoher Bedeutung sein. Nicht nur waren die Zuschauer, die damals Spiele verfolgten, begeistert, auch das Bild über den Damenfußball schien sich endlich – zum Vorteil der Nachwuchsgewinnung – zu ändern. Für Bisanz war es wichtig, dass Eltern oder Frauen ihre Vorbehalte ablegten, wenn ihre Töchter zum Fußballtraining gingen oder gehen wollten. Die Vorurteile hinsichtlich der Verletzungsgefahr nahmen ebenso ab, da andere Sportarten wie Handball oder Basketball nachweislich gefährlicher waren. Allerdings trafen nicht alle Hoffnungen, die mit dem Europameistertitel geweckt wurden, ein. So stieg zwar die Zahl interessierter Mädchen scheinbar an, aber der Zuspruch bei den Vereinen war weiterhin nicht ausreichend. Die Spitze blieb – bis heute – zu dünn besetzt.

Die mediale Resonanz auf den Titelgewinn war breit, dabei aber zugleich nach wie vor kritisch, wobei diese Kritik durchaus auch aus den Reihen der Aktiven selbst vorgebracht wurde. Zum einen berichtete u. a. Der Spiegel vom Grußonkel der Nation, Bundeskanzler Helmut Kohl, der dem DFB-Präsidenten zum Titelgewinn seiner Frauen gratulierte: Der Kanzler war begeistert über den in seiner Höhe verdienten Finalsieg und die Art und Weise, wie er herausgespielt wurde.

Die Wochenzeitung Die Zeit titelte von einer attraktiven Europameisterschaft in der Zur Sache gegangen wurde. Der Redakteur Gerd Seehase gab allerdings folgendes Zitat von Hannelore Ratzeburg wieder, das stellvertretend für die nächsten zehn Jahre im DFB stehen sollte: Der Damenfußball stagniert bei uns. Die Mädchen gehen lieber in die Disco anstatt zum Fußball. Uns fehlt vor allem der Nachwuchs. Wir brauchen die Kinder. Und deshalb ist die Werbung dieser Europameisterschaft so wichtig für uns.

Zudem sprach dieser Artikel – wiederum unter Berufung von Ratzeburg – von einer enormen statistischen Diskrepanz. Während die DFB-Statistik 450.000 weibliche Mitglieder verzeichnete, ging Ratzeburg davon aus, dass höchstens 70.000 davon wirklich aktiv seien.

Vor diesem Hintergrund können die Maßnahmen, die das Trainerteam Bisanz und Theune-Meyer nach dem Titelgewinn auf den Weg brachte, nicht hoch genug bewertet werden. Unterstützt durch den 33. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes in Trier, folgte zum einen die bereits 1986 beantragte Einführung der zweigeteilten Bundesliga für Frauenmannschaften mit jeweils zehn Klubs. Die Medien kommentierten dies wohlwollend: Noch 1955 hatte der DFB-Bundestag Punktspiele für Frauen verboten, ein Beschluss, der erst 1970 aufgehoben wurde.

Außerdem erhielten die Frauen und Mädchen einen eigenen Ausschuss. Schon im April des EM-Jahres war beschlossen worden, eine Nachwuchsnationalmannschaff zu gründen, die künftige Talente auf den späteren Einsatz im Nationalteam vorbereiten sollte. Die Betreuung übernahm Tina Theune-Meyer. Es war das Bestreben von Gero Bisanz und seinem Team, ganz bewusst Nachwuchs heranzuziehen, nicht nur in den Vereinen sondern auch im Umfeld der Nationalmannschaft: Nach der Nationalmannschaft, das haben ja auch andere Verbände vorgemacht, war automatisch eine U-Mannschaft zu bilden. Dann hat die UEFA Gott sei Dank mitgezogen, weil sie die Turniere ausgerichtet und ausgeschrieben hat. So ist das, so war das eine Entwicklung, wie man sie sich vorstellt. Ich glaube, dass der Frauenfußball in dieser Richtung, was auch die Mitgliederzahlen angeht, letztlich eine Stütze des Deutschen Fußball-Bundes geworden ist. Diese Dropout-Situation der Jugendlichen wurde voll und ganz aufgefangen durch die Mädchen und Frauen.

Bisanz sorgte dafür, dass beim DFB nun auch Trainerlehrgänge für den Fußballlehrer für Frauen möglich wurden; er selbst bildete rund 15 ehemalige Spielerinnen zur Fußballlehrerinnen aus. Langfristig wollte er die Nachwuchsarbeit aber ebenso in Frauenhände übergeben wie sein Traineramt. Deswegen bereitete er Tina Theune-Meyer darauf vor, 1996 nach den Olympischen Spielen das Amt zu übernehmen. Die Zeit der Etablierung des Damenfußballs in Westdeutschland bilanziert stellvertretend das persönliche Fazit von Gero Bisanz: Das Kritischste war anfangs eindeutig die mangelnde Akzeptanz durch meine Mittrainer und die mangelnde Aufmerksamkeit. Und zwar ging das fast acht Jahre lang so, dass man so vonseiten der Trainer und Manager behandelt wurde. Ich habe mal mit Rudi Assauer (langjähriger Manager von Schalke 04) gesprochen und gesagt: „Mensch Männer, ihr müsst doch mal mehr Jugendliche in den A-Kader aufnehmen. Da sind auf der Bank 14, 15, 16 Mann , immer nur ausländische Spieler. Das wäre doch ein Platz für junge Spieler, wir haben doch gute Talenten Da sagte er: „Kümmere dich doch um deine Frauen.“ Also, das musste man dann hinnehmen. Diese Akzeptanz wäre wünschenswert gewesen.

Die Unterstützung des DFB besserte sich, so Bisanz, im Laufe der Zeit und v. a. mit den Erfolgen. Auch die Wirtschaftlichkeit des Damen- bzw. Frauenfußballs spielte hierfür gewiss eine Rolle. Für die Entwicklung des Damenfußballs in den 1980er Jahren in der Bundesrepublik war wichtig, dass am Ende der Spaß die Spielerinnen zu ihren Leistungen beflügelte, um so auch gegen die Vorurteile Vorgehen zu können. Schließlich blieb auch die Anerkennung durch die Medien nicht aus: Bei der ARD Sport-Gala von 1989 gewann das Team der (westdeutschen) Fußballfrauen mit 50,5 Prozent die Auszeichnung als beste Mannschaft.

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