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Wann wurde den Damenfußball von der DFB offiziell anerkennt
Die gesellschaftspolitische Entwicklung der Bundesrepublik wurde in den 1960er Jahren maßgeblich durch die 68er Studentenbewegung beeinflusst. Im Zuge der tiefgreifenden Veränderungen hinterfragten auch viele Frauen ihre eigenen Rollen – in der Familie, aber auch außerhalb. Ihnen wurde klar, dass sie jenseits traditioneller Rollenverteilungen Automechanikerinnen, Architekten oder Tischlerinnen werden konnten, und wollten nun auch Aufgaben übernehmen, die bisher nahezu ausschließlich Männern zugeschrieben worden waren. Und sogar im Feld des Sports hatten die Frauen – nicht zuletzt durch die bestehende inoffizielle Länderspielbewegung und dem immer stärker aufkommenden Damenfußball im ländlichen Umfeld – den DFB dazu gezwungen, von seinem Verbandsverbot abzurücken.

Die Fußball spielenden Frauen hatten aber auch in Westdeutschland den Ball nicht völlig neu erfunden. Viele von ihnen waren, bevor sie mit dem Kicken anfingen, in anderen Sportarten aktiv gewesen: Die Handballspielerinnen zum Beispiel haben erzählt, dass sie schon immer gerne zum Abschluss ihres Handballtrainings auch Fußball gespielt haben. Immer schon. Die ersten Frauenmannschaften im Fußball, die erfolgreichen, das waren Handballspielerinnen.

Die heutige DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg erinnerte sich, dass die Handballerinnen, die in der Woche ihre Pflichtspiele absolvierten, am Sonnabend oder Sonntag Zeit hatten, Fußball zu spielen. Gerade sie brachten die Kondition, das Ballgefühl und die Vorstellung von Raumaufteilung mit, die für eine Weiterentwicklung des Damenfußballs während der ersten 15 Jahre sportlich gesehen von enormer Bedeutung waren. Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg gründeten sich bereits Ende der 1960er Jahre erste Teams, auch wenn diese noch unter ungewöhnlichen Mannschaftsnamen aufliefen: Eintracht Kopftuch (Viktoria) und United Strumpfhose (Einigkeit) trugen am 1. Januar 1968 vor 500 Zuschauern und Zuschauerinnen ihr erstes Match aus; wenig später bildeten sich weitere Teams wie SV Minirock (TC Wilhelmsburg) und FC Schürze (Jahn). Auf privater Ebene wurden Pokalrunden und Turniere ausgetragen. Mithin, die Frauen etablierten sich in Fußballkreisen und nahmen eine Vorreiterinnenrolle in Hamburg und ganz Deutschland ein.

Ab 1970 wurden die Stimmen nach der Anerkennung des Damenfußballs schließlich unüberhörbar, sodass die Frauen der HT 16 die Ersten waren, die in den Hamburger Fußball-Verband aufgenommen wurden.

Der DFB hatte sich in einer Beiratssitzung am 15. November 1969 in Kiel mit dem Stand der Diskussionen zum Damenfußball befasst, wobei sich v. a. herausstellte dass dessen Aufnahme ins Verbandwesen international äußerst uneinheitlich geschah. In Italien beispielsweise hatte sich ein eigener Frauenfußballverband gegründet, weil der nationale Fußballverband ihre Aufnahme abgelehnt hatte. Bis zu 18.000 Zuschauer kamen dort zu den Spielen. In Frankreich wiederum erlaubte der Verband Damenabteilungen und auch in Dänemark duldete man den Spielbetrieb, wenngleich wiederum dort nicht ausdrücklich von einer Anerkennung gesprochen wurde. Der englische Fußballverband hielt hartnäckig an seinem Verbot fest. Weit aufgeschlossener stand man dem Frauenfußball in der CSSR gegenüber.

Bemerkenswerterweise ging die Zusammenfassung der Diskussion an diesem Punkt nicht auf die Entwicklung des Frauenfußballs in der DDR ein, obwohl man mit der CSSR einen sportpolitischen Bruder der DDR betrachtete und an ihrem Beispiel das Für und Wider des Verbots diskutierte: Die Gegner des Frauenfußballs in der offensichtlich am weitesten fortgeschrittenen CSSR sind der Meinung, dass Fußball für Frauen gesundheitlich ungeeignet ist und Frauen ihre natürlichen Reize einbüßen. Ein Ärzteteam von 100 Experten hat sich drei Jahre mit dem Frauenfußball befasst und dabei festgestellt, dass der Frauenfußballsport eine für Frauen durchaus geeignete Sportart ist, die nicht weniger gesundheitsschädigend ist als Volley-Ball, Basketball, Rasenhockey und Handball. Beim Frauenfußball sind sogar weniger Verletzungen festgestellt worden als beim Basketball und beim Handball.


Der erste Fußballschuh für Frauen in der Bundesrepublik von 1972: Anja

Zusätzlich wies man darauf hin, dass CSSR-Experten sich dafür aussprachen, dass Mädchen unter 15 Jahren nicht zum Frauenfußball zugelassen werden dürften. Diese Richtlinie gab es ebenso in der DDR, wo allenfalls eine Sondergenehmigung für 14-jährige Mädchen möglich war. In der Praxis wurde mitunter einfach das Geburtsjahr der Spielerin auf dem Spielerinnenpass geändert, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen. Außerdem entschied der DFB, dass Fußball zukünftig mit kleineren Bällen und mit Tennisschuhen ohne Stollen sowie mit verkürzter Spielzeit durchgeführt werden sollte. Allerdings dauerte es nur bis zum Jahr 1972, ehe Adidas den bereits 1969 entwickelnden Gedanken des DFB aufnahm, und einen Damenfußballschuh namens Anja herausbrachte. Entsprechende Initiativen waren vom DDR-Verband nicht festzustellen. Die Frauen spielten mit dem, was zugänglich war.

Dass der DFB sich schließlich endgültig von seinem Verbot des Damenfußballs distanzieren musste, war nicht zuletzt der internationalen Entwicklung zu verdanken. Zu den grundlegenden Änderungen heißt es im Sitzungsprotokoll: 2. Der Beirat des DFB hebt seine bisherigen Beschlüsse zum Thema Frauenfußball auf. 3. Der Beirat des DFB gestattet den Landesverbänden, auf der Ebene der unter Punkt III. vorgeschlagenen Einschränkungen im Sinne des „Zweiten Weges den Frauenfußball einzuführen. 4. Der DFB-Vorstand wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden spätestens in zwei Jahren einen Erfahrungsbericht dem Beirat vorzulegen.

Dieser Vorschlag und der entsprechende Beschluss wurden am 21. März 1970 an den DFB-Vorstand weitergeleitet und galten als Grundlage der am 31. Oktober 1970 verkündeten Aufhebung des Verbots von 1955. Das stenografische Protokoll des Bundestages belegte, dass der DFB bereits einen Ausschuss für die Erarbeitung von Durchführungsbestimmungen im Frauenfußball gegründet hatte. Auch die medizinische Sichtweise, die der Position des DFB zugrunde gelegt wurde, war inzwischen eine grundlegend andere und spielte in der folgenden Argumentation pro Damenfußball anscheinend keine Rolle mehr.

Bemerkenswerterweise sprach der DFB-Funktionär diesmal vom Frauen- Fußball: Ich habe mich davon überzeugt, meine Freunde, dass im DFB-Vorstand, im Beirat und sicherlich auch hier im Plenum des Bundestages Übereinstimmung darüber besteht, dass der Frauen-Fußball im DFB Eingang finden kann. Es erscheint mir also nach den in den letzten Zeit geführten Verhandlungen sinnvoll und richtig, dass jetzt, nach dem gegenüber den 15 Jahre zurückliegenden Verhältnissen eine Reihe von Änderungen eingetreten ist, wir uns diesen veränderten Gegebenheiten anpassen. Es erscheint mir infolgedessen auch richtig, dass dem Wunsch der Frauen, die in dieser Frage letztlich allein entscheidungsberechtigt sind, Rechnung getragen und der Einführung des Frauen-Fußballs zugestimmt wird. Ich möchte also ebenfalls vorschlagen, dass man dem Frauen-Fußball freies Feld einräumt, nach dem der DFB sich bereitgefunden hat, den Frauen-Fußball unter seine Fittiche zu nehmen, um damit gleichzeitig zu verhindern, dass der Fußball der Frauen in unklare Verhältnisse abgleitet.

Der DFB-Bundestag stimmte mit jeweils zwei Gegenstimmen und ohne Enthaltungen für die Beendigung des Beschlusses von 1955. Rückblickend ist festzustellen, dass das Verbandsverbot des DFB dem westdeutschen Damenfußball beträchtlichen Schaden zufügte und seine Entwicklung lange hemmte. Noch 1961 hatte man im zu dieser Zeit nur von Männern geleiteten Fußball-Verband den Damenfußball als Bagatelle betrachtet. Zudem ging man bis zum Schluss davon aus, dass der bis dato unorganisierte Damenfußball Gefahr laufe, in unklare Verhältnisse abzugleiten. Dabei wurde der bestehende Spielbetrieb – v. a. der inoffiziellen Länderspiele – trotz der Behinderungen durch den DFB selbstständig organisiert. Während sich die Nachricht der Lockerung des Verbots wie ein Lauffeuer verbreitete und die Damen binnen kurzer Zeit verschiedenste Spiele austrugen, waren die Reaktionen der westdeutschen Journalisten ambivalent, weshalb ihre Berichterstattung äußerst facettenreich ausfiel. Beispielsweise griff der WDR ein erneutes Vorspiel der Frauenvereine aus Landau und Augsburg auf, die im April 1970 vor einem Bundesligaspiel am Betzenberg aufliefen. Der Beitrag, der auch im SWR ausgestrahlt wurde, bekräftigte das langsame Aufbrechen der Vorbehalte im DFB gegen den Damenfußball.

Die Westfälische Rundschau widmete hingegen dem Damenfußball eine großformatige Reportage, deren Grundton eher negativ aus-fiel: Ungelenk erscheinenden Fußballszenen wurde das Foto einer graziösen Turnerin auf dem Schwebebalken gegenübergestellt. Der Damenfußball wird im Zirkus münden, lautete der abschließende Kommentar.

Auf der anderen Seite war die internationale Entwicklung des Frauenfußballs auch medial offenbar so relevant, dass Beiträge über die Testspiele in Vorbereitung auf die inoffizielle Weltmeisterschaft in Italien nicht fehlen durften. Interessanterweise las man zu diesem Anlass auch in der DDR-Sportpresse von dem Turnier und den Teilnehmerinnen aus Deutschland. Auf das damals offiziell noch bestehende Verbandsverbot des westdeutschen Damenfußballs wurde allerdings nicht eingegangen.

Als der DFB das Verbot Ende Oktober 1970 aufhob, folgte bereits wenige Tage später das erste offizielle internationale Aufeinandertreffen mit deutscher Beteiligung zwischen der Mannschaft aus Wörrstädt und einer italienischen Vertretung. Trotz dieser Entwicklung mussten sich die Fußballerinen weiterhin mit Ressentiments auseinandersetzen. Bis der erste von Verbandseite auf Länderebene durchgeführte, organisierte Spielbetrieb stattfand, verging noch ein Jahr.

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