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1984 Hallenserinnen stören Erfolgsserie – Titelkämpfe in Frauenfußball
Die Spielzeit der Fußballerinnen in der DDR teilte sich in eine Hallen- und eine Freiluftsaison. Das Spieljahr 1984 begann traditionell mit den Hallenturnieren in Karl- Marx-Stadt und Neubrandenburg. Letzteres bot einen Ausblick darauf, wer in der Halle unter den 16 Bezirksmeisterinnen am Besten in die Rückserie gestartet war. Neulinge wie die BSG Motor Halle, Autoelektronik Eisenach, Rotation Schlema oder Aktivist Hoyerswerda, Handwerk Magdeburg und Halbleiterwerk Frankfurt/Oder wollten die Favoritinnen von BSG Chemie Leipzig, Turbine Potsdam und Aufbau Dresden Ost daran hindern, den Turniersieg unter sich auszumachen. Mit dem Schwung des dreimaligen DDR-Besten gewannen die Fußballerinnen aus Potsdam auch die inoffizielle DDR-Meisterschaft im Hallenfußball 1984.

In anderen Kreisen und Bezirken zeigten sich die Frauen von der Dominanz der Turbinen unberührt. Übungsleiter wie Dietmar Männel spornte es eher an, den Frauenfußball auch in ihren Bezirken weiterzuentwickeln. In einem Beitrag für die eigene Betriebssportgemeinschaft hielt er fest: Gerade für Frauenmannschaften muss man im jetzigen Stadium der Entwicklung des Frauenfußballs bedeutend mehr an Zeit, Fleiß, Training und auch Geld investieren, als das zum Beispiel bei Jugend- oder Männermannschaften ist.

So dankbar Männel für die Unterstützung durch die BSG war, mahnte er gleichzeitig in seinem Bericht an, dass es für die Betreuung durch den KFA noch erhebliche Reserven gebe. Ein zweimal jährlich abgelegter Rechenschaftsbericht über die geleistete Arbeit reichte seiner Meinung nach nicht aus. Er forderte deshalb, gemeinsam mit der BSG den Hebel anzusetzen und den Frauenfußball auf eine höhere Ebene zu bringen. Auch die Popularisierung durch die Presse halte ich für entscheidend. Es regt die Eine oder Andere vielleicht doch an, es einmal mit dem Fußballspielen, oder zu mindesten zum Sporttreiben zu versuchen.

Für die Stadt Aue und den Bezirk Karl-Marx-Stadt setzte eine solche Entwicklung ein. Die Schlemaerinnen nahmen an vielen Turnieren teil und trugen bereits zum neunten Mal ein eigenes Hallenturnier aus. Allerdings konnten die Erzgebirglerinnen den Hallen-Bezirksmeistertitel 1984 nicht verteidigen: Rotation Schlema verliert durch erneutes Pech den wohl wichtigsten Pokal und damit auch den Titel des Bezirksmeisters in der Halle. Trotz guter Spiele, die Schlema lieferte, unterlagen wir im 7-Meterschießen nur knapp der Mannschaft von Wismut Karl-Marx-Stadt.

Nur kurze Zeit nach dieser ersten Enttäuschung gelang es den Rotation-Damen, zum ersten Mal die Bezirksmeisterschaff auf dem Großfeld zu erspielen, die ihr gleichzeitig die Teilnahme an der Zwischenrunde zur DDR-Bestenermittlung ermöglichte. Um sich für die Finalrunde zu qualifizieren, mussten sie die Teams von der BSG Modedruck Gera und Aufbau Dresden Ost schlagen. In einem aus Sicht des Sportreporters Harry Seidel spannenden letzten Spieltag sicherte sich die BSG Rotation Schlema durch einen 5:3-Sieg gegen die Geraerinnen erstmalig die Teilnahme an der 5. DDR-Bestenermittlung in Grimma.

In den anderen Bezirken erreichten erwartungsgemäß die BSG Turbine Potsdam und Chemie Leipzig die Finalrunde. Außerdem qualifizierten sich die BSG Motor Halle und die Küstenstädterinnen von Post Rostock. Es wurde eines der sportlich engsten Turniere der DDR-Bestenermittlungen in ihrer jungen Frauenfußballgeschichte. Die Neulinge bestimmten das Geschehen: Es stand nur noch die Begegnung Halle-Rostock aus, und Halles Trainer Jürgen Ultzer hatte errechnet, dass seine Schützlinge für den Turniersieg einen Vier-Tore-Gewinn benötigten. So herrschte nach dem Abpfiff dieses Spiels, das die Motor-Mädchen mit 3:0 gewannen erst einmal die Ruhe der Enttäuschung in Halles Auswahl, bis wenig später den jungen Damen vom Spielfeldrand zugerufen wurde, dass sie in der Tat gewonnen hätten. Der Trainer hatte sich um ein Tor verrechnet.

Den Potsdamerinnen fehlte ein geschossenes Tor zur Titelverteidigung und so störte die BSG Motor Halle als Sieger nach drei Titeln hintereinander die Erfolgsserie der Turbinen.

Auch die Rotation-Damen aus Schlema hatten an diesem Tag gute Einzelkönne- rinnen. Sie wurden bei ihrer ersten Teilnahme gleich Drittplatzierte. Der Oberbürgermeister von Schlema und die Vereinigte Karton- und Papierfabrik Schlema lobten die erbrachten Leistungen der Fußballerinnen gebührend: Nachdem die Frauen der BSG Rotation Schlema von der DDR-Bestenermittlung zurückgekehrt waren, erhielten sie eine Einladung vom Bürgermeister der Gemeinde Schlema. [… ] Es war ein gemütlicher Nachmittag, wobei aber auch viele Themen zur Diskussion standen. So wurde unter anderem über das 10-jährige Bestehen der Damenmannschaft im nächsten Jahr, über die Gestaltung und dem Ausbau des Sportplatzes, ein eventuelles Spiel mit einer CSSR- Damenmannschaft und über die ganze Unterstützung des Frauenfußballs in Schlema gesprochen. Interessant war auch, zu erfahren, welche Mittel der Gemeinde Schlema zur Unterstützung des gesamten Sports zur Verfügung stehen.

Nur einen Tag später folgte die Einladung zu einer Ehrung vom Betrieb der Vereinigten Papier und Kartonfabriken Schlema, bei der den Spielerinnen u. a. ein Lederfußball und eine Sporttasche als Zeichen der Anerkennung überreicht wurden.

Ein wichtiger Schritt zur Achtung des DDR-Frauenfußballs durch den Deutschen Fußball-Verband der DDR wurde im April 1984 mit dem VII. Verbandstag eingeleitet. Spitzenspielerin Sabine Seidel von der BSG Turbine Potsdam trug ihr Anliegen 153 Delegierten und 56 Gästen vor und forderte alle auf, den Frauenfußball ernster zu nehmen und den Weg zu einer DDR-Meisterschaft frei zu machen. Währenddessen wurde in den Lehrlingswettkämpfen der Betriebe republikweit der Frauenfußball integriert. Es tauchten immer wieder Meldungen von neu gegründeten Mannschaften auf. Schließlich wurde im November 1984 von offizieller Seite ein Abkommen zwischen dem DTSB und dem DFD verabschiedet, das eine stärkere Förderung der Frauen im Sport zum Ziel hatte.

Allerdings fand der Frauenfußball hier keine direkte Erwähnung. Das Abkommen besagte, dass der Frauensport – damit waren Sportarten wie Gymnastik, Wandern, Schwimmen, Kegeln, Volleyball und Federball gemeint – zukünftig als ein wesentlicher Bestandteil der Körperkultur und des Sports in der DDR die volle Unterstützung erfahren sollte. Die Frauen sollten ab sofort verstärkt für die Gewinnung des Sportabzeichens und für die Teilnahme an den volkssportlichen Wettkämpfen motiviert werden. Die offizielle Vereinbarung verschwieg jedoch, dass der Frauenfußball dies schon seit Jahren umgesetzt hatte, wie der folgende Ausschnitt beweist: Die Kreisvorstände des DFD unterstützen Aktionen und Wettbewerbe im Freizeit- und Erholungssport und wirken mit bei der Vorbereitung und Durchführung der Kreissportfeste der Werktätigen als jährliche Höhepunkte im Freizeit- und Erholungssport. Der Bundesvorstand des DFD unterstützt den Deutschen Handball-Verband der DDR bei der Durchführung des Internationalen Frauen-Handballturniers um den Wanderpokal des Bundesvorstandes des DFD in Neubrandenburg.

Die direkte Erwähnung des Frauen-Handballs war wiederum ein Beleg dafür, dass die DDR-Sportfunktionäre selbst in einem Bereich, in dem es nicht um die Förderung des Leistungssports ging, eine olympische Sportart in diese Vereinbarung integrierten. Wahrscheinlich sollte sie stellvertretend für die erfolgreiche Entwicklung des Frauensports stehen. Nicht berücksichtigt wurde jedoch, dass seit 1972 in Neubrandenburg schon regelmäßig internationale Hallenturniere im Frauenfußball stattfanden.

Wahrscheinlich auf der Grundlage einer Vereinbarung zur Saison 1987/88 wurde in der Folge der nationale DFD-Pokal im Frauenfußball eingeführt. Bis dato hatten die Bezirke allein um den angeblichen FDGB-Pokal gespielt, beispielsweise seit 1971 in Ost- Berlin und seit 1976 in Karl-Marx-Stadt. Einmal mehr war dies ein Zeichen dafür, wie sich die Frauen in ihrer Nische stetig sportlich weiterentwickelten. Ihr Engagement war besonders hoch anzusehen, weil zu diesem Zeitpunkt von den 6.000 DDR-weit aktiven Frauen lediglich 35 Mannschaften, also circa 535 Frauen einen Spielbetrieb auf dem Großfeld realisierten. Gerade weil so wenige Fußballerinnen letztlich eine derartige Medienaufmerksamkeit bewirkten und in den nächsten Jahren immer mehr Raum für ihren Wettkampf um die beste Mannschaft der DDR im Frauenfußball einforderten, ist es gerechtfertigt, an dieser Stelle auf Gertrud Pfister zu verweisen und mit ihren folgenden Feststellungen zu den letzten fünf Jahren der DDR-Bestenermittlung überzuleiten: Fußballspielende Frauen überschreiten die gesellschaftlich fixierten Grenzen zwischen den Geschlechtern, bedrohen Männlichkeitsideale und Männlichkeitsmythen und stellen die herrschende Geschlechter- und damit auch die Gesellschaftsordnung in Frage. Bei den Versuchen, Frauen von den Fußballfeldern fern zu halten, ging es also um weit mehr als nur um den Sport; es ging um die Struktur und Legitimation der Gesellschaft als Ganzes.

Genau diese Struktur brach Mitte der 1980er Jahre in der DDR immer mehr auf und die Fußballerinnen übten Druck aus, um nicht mehr nur eine DDR-Bestenermittlung, sondern eine Meisterschaft austragen zu können.

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