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Ausgangslage der beiden deutschen Systeme 1989-90 – Transformationsphase des Ostfrauenfußballs
Die friedliche Revolution in der DDR erreichte am 9. November 1989 ihren Höhepunkt, vier Monate nachdem die westdeutsche Damen-Fußballnationalmannschaft ihren ersten Europameistertitel gewonnen hatte. Nur 18 Tage vor der Maueröffnung hatte der erste Lehrgang einer DFV-Damen-Auswahlmannschaft der DDR in Leipzig stattgefunden. Es dauerte noch bis zum 17. November 1989, ehe der innerdeutsche Sportverkehr von beiden deutschen Sportführungen freigegeben wurde. Die Fußballerinnen in der DDR konnten somit endlich gegen westdeutsche Mannschaften antreten.

Aufgrund der Nähe zu West-Berlin spielten als erste Teams überhaupt der VFB Lichterfelde und die BSG Turbine Potsdam noch vor Weihnachten auf DDR-Boden gegeneinander. Allerdings fand dieser Vergleich in der Halle statt: Der VFB Lichterfelde war mit seinem Trip zu Turbine Potsdam zufrieden, wenn der Verbandsligadritte auch 1:2 in der Halle (2×8 Min.) unterlag. Die „Zwote“ der Berlinerinnen wurde von den Gastgeberinnen 4:0 geputzt. Am Sonntag nimmt Potsdam am Lichterfelder Turnier teil, zu dem auch der FC Hamburg-Harburg anreist.

Beim Turnier des VFB Lichterfelde am ersten Januarwochenende 1990 konnten die Potsdamerinnen abermals überzeugen und siegten gleich bei ihrem ersten Auftritt in West-Berlin. Nur drei Wochen später konnte sich die BSG Turbine Potsdam – diesmal bei einem Turnier in Hagen – gegen die amtierenden Deutschen Vizemeister im Pokal und in der Meisterschaft durchsetzen. Anders als in der Vereinigung der Leistungs-sportler hatten die Fußballerinnen aus Potsdam keine großen Berührungsängste vor den West-Berliner Spielerinnen. Sicherlich lag dies auch an der Nähe zu Berlin. Bei ihrem zweiten Auftritt, weiter westwärts, war man sogar überrascht, dass die Potsdamerinnen so guten Fußball spielten: Ende Januar gewann Turbine in Hagen ein glänzend besetztes Hallenturnier, bei dem bis auf Bergisch Gladbach die gesamte bundesdeutsche Elite am Start war. Auf die Frage: „Heute hätten Sie hier bei einer Teilnahme kaum einen ernsthaften Gegner gehabt?“ antwortete Bernd Schröder diplomatisch: „Vorn hätten wir jedenfalls mitgespielt.“ Das ist Tiefstapelei, wie alle wissen, die kürzlich beim Turnier in der Werner-Seelenbinder-Halle die stark aufspielende Auswahl gegen Sportjournalisten aus Ost und West gesehen haben. Und Turbine ließ auch in der Deutschlandhalle beim Einlagespiel nichts anbrennen. „Ich habe viele individuelle Könner im Team, das ist unsere Stärke“, erklärte Schröder.

Die deutsche Einheit im Frauenfußball stand dennoch unter anderen Voraussetzungen. Die bundesrepublikanische Seite verfügte zur Zeit der Wende bereits über eine feste Struktur, die als letzten Schritt beim 32. DFB-Bundestag 1986 die Einführung einer zweigleisigen Bundesliga ermöglicht hatte. Die ostdeutsche Seite war hingegen froh, in dieser Zeit des Systemumbruchs eine DDR-Oberliga vorbereiten zu können, während die 12. DDR-Bestenermittlung unlängst gestartet war: Eine Hausnummer, die zählt, auch wenn der Fußballverband immer noch zögert, die Bestenermittlung in den Rang einer Meisterschaft zu erheben.

In Zahlen ausgedrückt standen 1990 den schätzungsweise 3.500 bis 5.500 Spielerinnen auf DDR-Seite rund 70.000 Aktive in der Bundesrepublik gegenüber. Der weibliche Spielbetrieb lief in den jeweiligen Bezirken bis zum Beitritt des NOFV zum DFB weiter: Engelbert Nelle, Mitglied im DFB-Präsidium, rückte nun öffentlich von seinem Chef ab: „Der politische Druck wird immer stärker. Der Fußball muss sich der Einigung anpassen.“ Seit dem 1. Juli gab es im Osten und Westen nur noch eine Währung: Die DM. Die ersten gesamtdeutschen Wahlen würden am 2. Dezember 1990 stattfinden. Neuberger konnte der politischen Realität nicht mehr ausreichen. Wenige Tag nach dem WM-Finale erhielt Moldenhauer einen Brief, in dem der DFB-Präsident sein Einverständnis für eine schnellere Vereinigung der beiden deutschen Fußballverbände gab. Diese fand am 21. November 1990 statt.

Somit nahm der Frauenfußball auch an diesem Sonderweg – der Eingliederung des NOFV in den DFB – teil. Für den Bezirk Potsdam beispielsweise liegen Zahlen vor, die etwa für 1988 besagen, dass zu diesem Zeitpunkt von 34.414 Mitgliedern in 1.434 Trainingsgruppen und Mannschaften 498 Frauen waren. Der Bezirk Potsdam hatte im DTSB 15 Kreisvorstände Fußball aus den Kreisen Potsdam (Stadt), Brandenburg, Belzig, Gransee, Jüterbog,

Königswusterhausen, Kyritz, Luckenwalde, Nauen, Neuruppin, Oranienburg, Pritzwalk, Rathenow, Wittstock und Zossen. Die Jahresstatistik 1988 führt darüber hinaus im Kreisvorstand Potsdam 91 weibliche Mitglieder. Dahinter folgten der KV Königswusterhausen mit 72, Oranienburg mit 62 und Nauen mit 55 weiblichen Aktiven. Trotz dieser scheinbar großen Anzahl an Spielerinnen, die in den anderen 14 Bezirken der DDR vergleichbar gewesen sein dürfte – wenn man die Zahl von durchschnittlich 4.500 Spielerinnen 1990 als Grundlage nahm -, zeigt die gleiche Übersicht zur Organisation und Entwicklung im BFA Potsdam, dass sich die Anzahl der Frauenmannschaften im Jahr 1988 nur um zwei auf 14 Teams gesteigert hatte. Ab-schließend belegen Zahlen des NOFV aus dem Jahr 1992, dass nach den ersten beiden Jahren der sportpolitischen Vereinigung im NOFV 9.839 aktive weibliche Mitglieder und 144 Mannschaften im Frauenfußball gezählt wurden. Innerhalb von nur vier Jahren hatten sich die Zahlen verdoppelt. Dies kann freilich z.T. auch darin begründet liegen, dass die neue Zählweise der gesamtdeutschen DFB-Statistik zu diesem Anstieg geführt hatte. Der Frauenfußball war zur Zeit der Wende in der DDR nicht derart flächendeckend vertreten wie in der Bundesrepublik; die Vereinigung der Fußballverbände bedingte aber gleichzeitig die Überführung in einen gemeinsamen deutschlandweiten Spielbetrieb. So gesehen, war auch der ostdeutsche Frauenfußball ein Gewinner der friedlichen Revolution.

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