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Bis 1989 Duelle zwischen Erzgebirge Havelland und Ostseeküste
In den kommenden zwei Jahren erspielte sich die BSG Turbine Potsdam ihre Vorherrschaft im DDR-Frauenfußball zurück. Bereits zu Beginn des Jahres 1985 dominierten die Potsdamerinnen das Spielgeschehen. Anfänglich noch etwas unglücklich in die Hallensaison gestartet, präsentierten sich die Turbinen danach in den Hallen und auf den Plätzen der Republik in gewohnter Stärke. Ein Grund dafür stellte die Verstärkung im Sturm durch Sybille Brüdgam dar, die aus Kleinmachnow zu den Potsdamerinnen gewechselt war. Bereits seit dem zehnten Lebensjahr hatte sie mit ihrem Bruder gemeinsam Fußball gespielt. Allerdings durfte sie dort an keinem Punktspiel teilnehmen. Deshalb spielte Brüdgam zunächst Handball bei der BSG Elektronik Teltow, bis sie zu Turbine Potsdam wechselte. Schon in den ersten Spielen deutete sich an, dass Brügdam gemeinsam mit Sabine Seidel die neue Torgarantie für die Elf von Bernd Schröder werden sollte. Das Besondere an der gelernten Köchin war, dass sie nicht im Energiekombinat Potsdam arbeitete, sondern in einer Großküche in der Schülerspeisung angestellt war. Hier hatte die 19-Jährige allerdings einen verständnisvollen Chef: Zum größten Teil habe ich freitags immer frei bekommen und bin zum Training raus. Am Wochenende habe ich auch immer frei für die Spiele bekommen. Diese Vergünstigung hatten wir.

Obwohl der Frauenfußball weiterhin nur dem Freizeit- und Erholungssport angegliedert war, stellte er als ÜTW-Sportart – also mit Übung, Training, Wettkampf – eine Besonderheit im DDR-Sportsystem dar. Als eigentlicher Massensport war es den Frauen bis hierhin gelungen, einen nationalen Wettkampf und Punktspielbetrieb auf Bezirksebene durchzuführen. Der DFV der DDR stellte den sportlichen Rahmen mit einer Spielordnung bereit, wobei er zu den einzelnen Bestenermittlungen Funktionäre entsandte. Auch Bernd Schröder wusste, dass man die Erfolge stets publik machen musste. Am besten funktionierte dies über die lokalen Medien und über die eigene Betriebszeitung.

Wenige Monate vor dem 15-jährigen Jubiläum der BSG Turbine Potsdam lancierte der Turbine-Coach gezielt einen Bericht zum Jahreswechsel über den Frauenfußball in der Betriebszeitung. Darin dokumentierte er, wie es v. a. in Potsdam gelungen war, den Frauenfußball so zu entwickeln, dass die Fußballerinnen aus dem Bezirk und somit ihre Sportart aus der DDR nicht mehr wegzudenken waren. Schröder vergaß dabei nicht hervorzuheben, dass v. a. das jahrelang gehegte Ziel, international in die Spitzengruppe vorzustoßen, in diesem Jahr mit dem Erreichen des Endspiels beim wohl größten europäischen Fußballturnier für Frauenclubmannschaften der CSSR-Jugendzeitschrift Mlady Svet erreicht werden konnte. Dafür hatten er und die Spielerin Simone Römhold sogar die Auszeichnung Aktivist der sozialistischen Arbeit erhalten. In seinem Überblick ging Schröder so weit zu behaupten, der DFV der DDR verfolge die Entwicklung der erfolgreichsten Frauenfußballmannschaft der Republik mit Interesse. Dank seiner Erfahrung darin, seine Fußballfrauen im positiven Glanz zu präsentieren, erreichte er, dass der Frauenfußball DDR-weit in aller Munde war. Zumindest auch in den anderen sich stark entwickelnden Bezirken wie Karl-Marx- Stadt und Ost-Berlin publizierten die Freie Presse und die Berliner Zeitung – wenngleich in unregelmäßigen Abständen – Berichte zum Frauenfußball. Berücksichtigt man die in den 1980er Jahren zunehmende Kritik am DDR-Leistungssportsystem, kam diese Entwicklung für den Frauenfußball weit weniger überraschend, wie Thomas Raithel ausführt: Seit Mitte der 80er Jahre wurde dann in der Bevölkerung, parallel zur fortschreitenden Krise der DDR, zunehmend Kritik am privilegierten System des Leistungssports und an der Diskrepanz zu den Bedingungen des Breitensports geübt.


Mannschaftsbild der BSC Turbine Potsdam nach ihrem vierten Titelgewinn 1985. Mit: Sabine Seidel, Elke Mertens (hintere Reihe, Zweite und Siebente von links) und Cisela Liedemann (vordere Reihe, Dritte von rechts).

Aufgrund der Änderung im Turniermodus wurde das Endspiel der 7. Bestenermittlung erst im Oktober 1985 ausgetragen. Die BSG Turbine Potsdam setzte sich mit 2:0 gegen die BSG Wismut Karl-Marx-Stadt durch. Die Berlinerinnen sicherten sich den dritten Platz gegen die Überraschungshalbfinalistinnen der VEM Zörbig.

Auch im Folgejahr starteten die Potsdamerinnen beim ersten Hallenturnier nicht mit dem gewünschten Erfolg. Anlässlich des X. Internationalen Frauenturniers in Karl-Marx-Stadt belegten sie lediglich Platz drei hinter den Siegerinnen von der TuR Dresden Übigau und den zweitplatzierten Gastgeberinnen. Dies sollte sich in der Elbestadt nicht wiederholen. In ihrem Jubiläumsmonat März siegten sie beim ersten Frauenfußballturnier des Rates des Stadtbezirkes Dresden-Süd und starteten somit als Favoritinnen in die neue Vorrunde zur DDR-Bestenermittlung. Der Verbandszeitschrift Die neue Fußballwoche war nicht nur das 15-jährige Bestehen der Turbinen mit ihren vielen Erfolgen eine ganze Seite wert. Ferner wurden auch die Änderungen des Spielmodus in einem Extrainterview mit dem Verantwortlichen Horst Müller, Leiter der Arbeitsgruppe Frauenfußball der Kommission Freizeit- und Erholungssport/Verbandsentwicklung des Präsidiums des DFV der DDR, veröffentlicht. Eine derartige Wertschätzung der Entwicklung des Frauenfußballs in der DDR hatte es bis dahin nicht gegeben. Auch wenn der Wettkampfmodus nur zwei Jahre beibehalten werden sollte, wurde – an den von den Aktiven gewünschten Änderungen – der Einfluss der Trainer und Spielerinnen, wie Sabine Seidel und Heike Braune als AG-Leiterin Frauenfußball auf Bezirksebene oder als Staffelleiterin im Kreis, auf den Verband deutlich. Damit änderten sich die Saisonhöhepunkte der Frauen im Rahmenterminplan. Die Halbfinalspiele und das Finale zur DDR-Bestenermittlung wurden fortan im Juni ausgetragen. Vor dem Hintergrund, dass nur 45 Großfeldmannschaften diesen Wettbewerb ausspielten, war es als ein weiterer Erfolg zu werten, dass Die neue Fußballwoche über fast jedes Vorrundenspiel der Staffeln, Halbfinals und das Finale von 1986 berichtete. Mindestens eine Leserin sah dies jedoch nicht so: Am 8. Juni fanden die ersten Halbfinalspiele der Bestenermittlung statt.

Das wurde total verschwiegen (Presse, Rundfunk, Fernsehen). Weshalb bekommen wir nie Frauenspiele zu sehen? Vom Männerfußball wird Tag und Nacht berichtet. Ich selbst habe lange Fußball gespielt und weiß daher, dass Frauen im Fußball sehr leistungsfähig sind, vor allem wesentlich fairer spielen.

In der Antwort gelobten die Fl/WO-Redakteure Besserung und verwiesen darauf, dass in den vorigen Ausgaben sehr wohl darüber berichtet worden sei. Auch das DDR- Fernsehen brachte nach einem Jahr Abstinenz wieder einen Beitrag über das Finale zwischen den BSGs von Motor Halle und Turbine Potsdam. Die neue Fußballwoche publizierte sogar einen weiteren Artikel zum fünften Titelerfolg der Potsdamerinnen und dem bisherigen Entwicklungsstand des weltweiten Frauenfußballs.

Trotz der Dominanz von Turbine Potsdam in diesen Jahren erreichte der Frauenfußball auch in den anderen Bezirken ein erkennbar höheres Niveau. Beispielsweise stieß das Erfurter Frauenteam der BSG Fortschritt 1986 erstmalig in die Spitzengruppe vor. Sie mischten das Teilnehmerfeld bis zu den Halbfinalbegegnungen regelrecht auf und mussten sich nur knapp den Hallenserinnen geschlagen geben. In der Betriebszeitung war vom Sektionsleiter Fußball Jan-Peter Richter zu lesen, dass die Fortschritt- Damen 1986 eine unverkennbare Leistungssteigerung zu verzeichnen hätten, für die sie wiederum mit dem Gruppensieg bei der Zwischenrunde zur Teilnahme am Halbfinale der DDR-Bestenermittlung belohnt worden seien. Aufgrund dieser Leistung kündigte Richter an, dass der Fachausschuss Fußball Erfurt-Stadt die Mannschaft auszeichnen werde. Die angekündigte Ehrung wurde im November 1986 durchgeführt: Sechs Sportlerinnen der Damenmannschaft bekamen für ihre Leistung die Ehrennadel der BSG in Silber und Bronze. In seinem Bericht für die Betriebszeitung Patriot vergaß Sektionsleiter Richter nicht zu erwähnen, dass der Dank der Damenmannschaft v. a. der BSG- und Sektionsleitung sowie dem SFA Fußball Erfurt und den Werktätigen des Trägerbetriebes gelte, weil sie durch ihre Arbeit Mittel für den Frauenfußball erwirtschafteten, die somit sportlich erfolgreich umgesetzt werden könnten.

Zu dieser Zeit war der Frauenfußball zahlenmäßig – also mit Blick auf die Aktiven, die Mannschaften, aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen – sehr klein und dies sollte sich auch bis zur Wiedervereinigung nicht ändern. Dennoch war er stärker denn je in den Betrieben und in der Sportlandschaft verankert. Nicht anders lässt sich erklären, warum ihm bei der Aktivtagung des DFV der DDR im September 1986 – allerdings weiterhin als Bestandteil des Massensports – eine derart hohe Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dass der DFV der DDR allerdings erst 1986 die Teilhabe des Frauenfußballs am ÜTW-Sport innerhalb des Massensports zugestand, missachtete die Tatsache, dass bereits seit 1971 auf Bezirksebene erste Titelkämpfe in Ost-Berlin, Dresden, Karl-Marx-Stadt und Potsdam durchgeführt wurden. Demnach war es zwar durchaus positiv zu bewerten, dass der Ostfußballverband den Trend der öffentlichen Wertschätzung des Frauenfußballs nun selbst zunehmend unterstützte. Andererseits war dies letztlich nur eine halbherzige Auseinandersetzung mit dieser Sportart, weil sie der Öffentlichkeit fünf Jahre des Wettkampfbetriebes im Frauenfußball vorenthielten.

Doch auch Sportjournalisten wie Joachim Pfitzner, der in diesem Fall für Die neue Fußballwoche schrieb, konnten sich nicht entscheiden, mit welcher Ernsthaftigkeit sie dem Frauenfußball begegnen sollten: Soll der Frauenfußball weiter an Ansehen gewinnen, ist einheitlichen Engagement erforderlich, und einige Leitungen müssen ihre Voreingenommenheit überwinden. Leichtfertigkeiten, Organisation und Regelmäßigkeit der Spieldurchführung betreffend, bringen die gute Sache nicht weiter. Und an die Adresse der Frauen: Wer ernst genommen werden will, muss das Seine dazu beitragen: bis hin zur fristgemäßen Ergebnismeldung an die FUWO. Die 9. Bestenermittlung muss ausstrahlen und in den Bezirken den Frauenfußball in noch mehr Orte und Sektionen führen. Mehr Großfeldmannschaften sind gefragt.

Diese Berichterstattung des Sportjournalisten war halbherzig und letztlich nicht zutreffend: Er plädierte für ein einheitliches Engagement der Leitungen, das diese aber schon seit Jahren verfolgten. Die Kritik Pfitzners wiederum, die Ernsthaftigkeit der DDR-Fußballerinnen sei daran zu messen, ob sie die Ergebnismeldung fristgemäß ablieferten, erscheint beinahe absurd angesichts des Einsatzes, das die Frauen erbrachten, um ihren Sport ausüben zu können.

Trotz einer ambivalenten Berichterstattung über die DDR-Bestenermittlung war deren sportliche Qualität alles andere als gesunken. Es ist aber zu vermuten, dass die publizierte Meinung – hier wie in anderen Fällen – in der neuen Fußballwoche indirekt die Anschauung der hohen Sportfunktionäre repräsentierte.

In Erfurt, im Erzgebirge, aber auch in Hoyerswerda, Halle, Ost-Berlin oder Schönebeck und Döbeln bereitete man sich ohnehin lieber intensiv auf die Vorrundenstaffeln vor. Alle Mannschaften wollten die Potsdamerinnen an der Titelverteidigung hindern. Was auch gelang, denn die Favoritinnen aus Potsdam verpassten tatsächlich den Einzug ins Finale. Dafür setzten sich die Karl-Marx-Städterinnen und die Damen von Rotation Schlema durch. Es wurde das erste bezirksinterne Finale der DDR-Bestenermittlung im Frauenfußball. Am Ende siegten die Erzgebirglerinnen in Kamenz deutlich mit 4:1.

Abermals zeigte das DDR-Fernsehen Interesse am Frauenfußball. Möglicherweise beeindruckt von ihrer Entwicklung, begleiteten Redakteure der Sendung Fußball-Panorama in Sport Aktuell im Winter 1986/87 die Fußballerinnen von der BSG Turbine Potsdam und portraitierten sie anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens und des Internationalen Frauentages. Trotz seiner kurzen Dauer hält der Beitrag die wesentlichen Elemente des Frauenfußballs fest, die diesen in Potsdam, aber auch republikweit so populär gemacht hatten. Zum einen hatten ihre hohe Einsatzbereitschaft und ihre große Liebe zum Sport den Potsdamerinnen bis dato zu 46 Turniergewinnen in der Halle und 70 internationalen Begegnungen verholfen. Zum anderen waren die Spielerinnen davon überzeugt, dass sie den Männern nur körperlich unterlegen seien, ihnen aber spielerisch in Nichts nachstünden. Obwohl sie in erster Linie ihren Lebensunterhalt erarbeiten mussten, brachten die Frauen die Trainingsbereitschaft auf, pro Woche bis zu vier Einheiten zu absolvieren. Ein ähnliches Trainingspensum leisteten auch die Siegerinnen aus Schlema. Sie trainierten mittlerweile dreimal je Woche, wie der Beitrag der Sendung Halbzeit zum Finale der DDR-Bestenermittlung u. a. herausstellte. Auch dieser präsentierte das spielerische Können eingebettet in die Rolle der berufstätigen Fußballerinnen, die – ohne die körperlichen Voraussetzungen männlicher Fußballer – einen ansehnlichen Fußball zeigten, von dem sich, wie es hieß, so manch ein Kollege etwas abschauen könne.

Die Rotation-Damen aus dem Erzgebirge hatten es 1987 erstmals geschafft, sich auf nationaler Ebene als beste Fußballerinnen der DDR durchzusetzen. Ihre Stärke demonstrierten sie bald darauf nochmals – mit dem Sieg des erstmalig ausgetragen DFD- Pokals, knapp zwei Monate nach dem ersten Titel.


Sie stürmt für die Erzgebirglerinnen erfolgreich, titelte die Freie Presse 1987 zu diesem Bild:
Birte Weiß von der BSG Rotation Schlema im Zweikampf gegen eine Spielerin von der BSG Stahl Zeithain

In der nächsten Saison 1987/88 sahen sich die Damen mit Hürden seitens des Verbandes konfrontiert. Erneut war der Spielmodus geändert worden, sodass alsbald von der Einrichtung einer DDR-Oberliga gesprochen werden konnte. In zwei Staffeln – die in Nord und Süd aufgeteilt waren – spielte von September 1987 an jeder gegen jeden. Bedingt durch diese Staffeleinführung nahm auch die Zahl der Artikel in der neuen Fußballwoche enorm zu. Bereits infolge der Einführung des Frauenfußballs als festem Statistikteil 1987 waren es bis zum Ende 1988 insgesamt 65 Artikel, Berichte oder Statistiken, die zum Frauenfußball in der neuen Fußballwoche abgedruckt wurden. Darin enthalten waren auch und v. a. die Berichterstattungen zur DDR-Bestenermittlung.

In der Saison 1987/88 rückte die nationale Konkurrenz in der Spitze immer näher zusammen. Die besten Teams zu dieser Zeit waren die BSG Turbine Potsdam, die aktuellen DDR-Besten aus Schlema sowie die BSG Aufbau Dresden-Ost und Wismut Karl-Marx-Stadt sowie KWO Berlin. Es wurde je Staffel eine Hin- und eine Rückserie gespielt. Nach der Winterpause führten in der Staffel Süd die Potsdamerinnen ungeschlagen vor der BSG KWO Berlin, die sich einen harten Kampf um Platz drei mit der BSG Motor Halle lieferten. In der Staffel Nord führte die BSG Rotation Schlema lediglich mit zwei Zählern Vorsprung vor den Karl-Marx-Städterinnen. Knapp dahinter auf Platz drei rangierten die Damen der BSG Fortschritt Erfurt. Die Entscheidung über die Siegerinnen der Titelkämpfe folgte an zwei Spieltagen im Juni 1988. Das erste Finalspiel wurde am 5.6.1988 im Auer Otto-Grotewohl-Stadion ausgetragen. Vor 3.200 Zuschauern gewannen die Schlemaerinnen mit Toren von Heike Ullmer, Mandy Herzog und Kerstin Guderian 3:0 gegen die Potsdamer Spitzenmannschaft. Für Bernd Schröder war dies eine herbe Niederlage: Wir erwischten einen rabenschwarzen Tag und mussten uns einem deutlich besseren Gegner beugen, zwei Tore unmittelbar vor und nach der Pause versetzten der Elf einen zusätzlichen Knacks. Aber noch ist für uns etwas drin. Mit einer ähnlich lautstarken Kulisse im Rücken, wie sie Schlema in Aue hatte, hoffen wir auf die Wende. Ein schnelles Tor muss her.

Die Potsdamerinnen wollten alles daran setzen, in der zweiten Partie das Endspiel doch noch für sich zu entscheiden. Es sollte ein enges Spiel werden. Sabine Seidel und Heike Braune, die anschließend ihre aktiven Karrieren beendeten, taten mit ihren Toren alles dafür, den sechsten Titel nach Potsdam zu holen. Doch Kerstin Guderian von der BSG Rotation Schlema erzielte kurz nach der Halbzeit den Anschlusstreffer. Am Ende stand es 3:1 für die Potsdamerinnen. Aufgrund des Hinspielergebnisses konnten die Rotation-Damen aus Schlema ihren Titel erfolgreich – wenn auch knapp – verteidigen. Im kleinen Finale zwischen der BSG Wismut Karl-Marx-Stadt und Kabelwerk Oberspree setzten sich nach Hin- und Rückspiel die Karl-Marx-Städterinnen durch.

Die verbreiteten Zahlen zu den teilnehmenden Mannschaften variierten in großem Maße: So berichtete das Deutsche Sportecho von insgesamt 145 Teams. Als DDR-Beste erhielten die Rotation-Damen abermals ein Glückwunschschreiben der SED-Kreisleitung. Während es für sie bereits der dritte Glückwunsch dieser Art war, spiegelte ein solches Maß an Anerkennung nicht die Regel in der sportpolitischen (Betriebs-)Landschaft wider. Für die Schlemaerinnen war es tatsächlich ein Zeichen, dass sie sich als Aushängeschild im Frauensport in ihrem Bezirk etabliert hatten. Zumindest bemerkte die Kreisleitung der SED in Aue, dass die Frauenfußballsektion einen wesentlich Beitrag zur Umsetzung der Beschlüsse zum XI. Parteitag der SED und zur Sportstafette 40 leistete.

Zu diesem Zeitpunkt kam die Form der DDR-Bestenermittlung einer gewünschten Meisterschaft schon sehr nahe. Sogar die Zusammenfassung der AG Frauenfußball des DFV der DDR führte ab 1988 in ihrer Statistik einen Meister. Der FUWO- Sportjournalist Dieter Buchspieß ließ sich in seinem Kommentar anlässlich der Titelverteidigung von Schlema ebenfalls dazu hinreißen, von einer neuen Meisterschaftsrunde mit den Mannschaften der BSG Modedruck Gera, Rotation Leipzig Ost und OHS Zwickau ab September 1989 zu sprechen. Allerdings wurde der Wettkampf an gleicher Stelle zwei Wochen später in der Nachberichterstattung zum dritten Platz der BSG Wismut Karl-Marx-Stadt wieder DDR-Bestenermittlung genannt. Auch für die Spielerinnen hatte es – wie beispielsweise Sybille Brüdgam bestätigte – bis dato noch nicht vollends den Charakter einer Meisterschaft erlangt, weil am Ende des Wettkampfes die Tagesform darüber entschied, wer am Finalwochenende zur besten Mannschaft gekürt wurde. Der Gesamtleistung im Spieljahr 1987/88 folgend, hätten eigentlich die Turbinen als Siegerinnen aus der Bestenermittlung hervorgehen müssen.

Zum Abschluss dieser Saison sollte zum zweiten Mal der DFD-Pokal ausgespielt werden. Allerdings gibt es zum Titel des Pokals wie auch dem Zeitpunkt seiner Austragung unterschiedliche Angaben. Für die einen, wie Sportfreund Jan-Peter Richter aus Erfurt, der in der Betriebszeitung Patriot darüber berichtete, handelte es sich dabei um den FDGB-Pokal, der für die Fortschritt-Damen aus Erfurt am 19. juni 1988 bei Rotation-Ost begann. In der neuen Fußballwoche sprach man vom Pokalfinale am 7. Oktober 1988, dem Tag der Republik, bei dem es die Trophäe des DFD zu gewinnen gelte. Eine Berichterstattung über dieses Endspiel fehlte dann aber sowohl in der neuen Fußballwoche und im Deutschen Sportecho als auch in den Chroniken der damaligen Finalistinnen. In der Chronik des heutigen FF USV Jena findet sich stattdessen der Vermerk, dass sich die HSG Universität Jena für das Pokalfinale 1988/89 gegen Rotation Schlema qualifiziert hatte, das anlässlich des Fußballfestes des DFV in Berlin im Mai 1989 stattfinden sollte. Dieses Endspiel wurde auch tatsächlich ausgetragen. Es gewannen die Damen der BSG Rotation Schlema durch ein Tor von Mandy Remus, die anlässlich des Pokalendspiels sogar als Ziel ihrer Hochzeitsreise Berlin gewählt hatte. Damit holten die Schlemaerinnen – etwas verspätet – zum zweiten Mal das Double. Der Pokalwettbewerb, im Juni 1988 begonnen, konnte also erst im Mai 1989 abgeschlossen werden.

Bereits am 14. Oktober 1988 hatte der DFV der DDR eine Rahmenrichtlinie für den Frauenfußball ab dem Spieljahr 1988/89 beschlossen. Diese wurde den Vorsitzenden der BFA, der SV Dynamo und Vorwärts und allen 20 beteiligten Mannschaften der Bestenermittlung 1988 übergeben.

Diese ersten offiziellen Regularien für den Frauenfußball in der DDR legten fest, dass die Organisation des Frauenfußballs durch den DFV der DDR gewährt wurde, sofern die Mannschaften und Spielerinnen Mitglieder im DTSB der DDR waren und auf Großfeld spielten. Die Richtlinie ordnete ferner an, dass das Mitgliedsbuch jeder Spielerin die Beitragszahlung, die sportärztliche Untersuchung für das laufende Kalenderjahr und den Nachweis über die Zahlung der Meldegebühren in Höhe von einer DDR-Mark enthalten musste. Mit diesem Beschluss wurde das Liga-Staffelsystem für den Frauenfußball auf DDR-Ebene eingeführt. Außerdem bestätigte der DFV der DDR erstmalig einen Pokalwettbewerb für Frauen.

Vor diesem Hintergrund fand das Endspiel um die 11. DDR-Bestenermittlung Mitte Mai 1989 zwischen den Vorjahresfinalistinnen aus Potsdam und Schlema in der Havelstadt statt. Beide Teams hatten sich in ihrer Staffel unangefochten durchgesetzt und trafen nun am 21. Mai 1989 im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion aufeinander. Es siegte die Heimmannschaft mit 3:1. Das Rückspiel im Otto-Grotewohl-Stadion in Aue wurde eine ausgeglichene und enge Partie. Die Schlemaerinnen führten früh durch ein Tor von Mandy Remus und gingen mit dem 1:0 in die Pause. In Halbzeit zwei entwickelte sich vor 5.000 Zuschauern ein wahres Torfestival. Nach dem Ausgleich und der zwischenzeitlichen Führung der BSG Turbine Potsdam kamen die Rotation-Damen noch einmal zurück ins Spiel und siegten am Ende mit 3:2. Der Titel ging aber aufgrund des Hinspielergebnisses an die Potsdamerinnen, die damit zum sechsten Mal an der Spitze des DDR-Frauenfußballs standen. Damit endete die letzte Saison der DDR- Bestenermittlung vor dem politischen Zusammenbruch der DDR.

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