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1960er Jahre deutsch-deutsche Frauenfußball im Fokus der Geschlechter
Denn obwohl sich das Bild der Frau in der Gesellschaft in dem Maß ändert, in dem sie in die Domänen der Männer eindringt und sich an der öffentlichen Ausübung aller gesellschaftlichen Praxen auch öffentlich beteiligt, ist das Verhalten der Fußballerinnen auf dem Fußballplatz (noch) nicht akzeptabel.

Die Geschichte des Frauenfußballs in der DDR wurde bis hierhin unter der vergleichenden Perspektive zur Bundesrepublik Deutschland bezüglich der sportartenspezifischen, regionalen sowie individuellen Entwicklung untersucht.

Ein wesentlicher Unterschied bestand beinahe über den gesamten Zeitraum hinweg in der Benennung: Auf DDR-Seite hieß es mehrheitlich Frauenfußball, während man(n) diese Sportart in der Bundesrepublik bis Anfang der 1990er Jahre bewusst als Damenfußball bezeichnete. Ohne eine breit angelegte Medien- und Quellenrecherche sowie 30 Zeitzeugeninterviews wären die bisherigen Erkenntnisse und Ergebnisse nicht möglich gewesen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich deshalb die abschließende Analyse bewusst mit dem Rollenbild der Geschlechter des Frauen- bzw. Damenfußballs im Fokus der Medien für das geteilte Deutschland. Ausgangspunkt ist die von Pfister hervorgehobene Konstruktivität des Geschlechts, die gerade für die Teilhabe von Frauen am männlich dominierten Fußball eine fruchtbare Forschungsperspektive bietet: Geschlecht ist also nicht etwas, was wir sind oder haben, sondern etwas, was wir herstellen oder tun.

Dabei soll u. a. geklärt werden, welche Informationen und Bilder die Medien im geteilten Deutschland bis zur Wiedervereinigung zum Frauenfußball lieferten. Was für eine soziale Wirklichkeit der Frauen wurde zwischen Familie, Beruf und Fußballplatz in den verschiedensten Medien konstruiert? Welcher Wandel zeichnete sich über 30 Jahre im gesellschaftlichen Rollenbild der Frau ab? Welche Auffassungen hielten sich kontinuierlich? Welche außersportlichen Inhalte wurden in der Berichterstattung vermittelt? Welche Rolle spielte der Zeitgeist?

Interesse am Frauenfußball schien lange nur ein Motiv zu haben: Der Busen und die Beine der Spielerinnen interessieren zumindest Berichterstatter, Kameramänner und Zuschauer oft mehr als ihre Tore.

Traf diese Aussage für beide Seiten im deutsch-deutschen Frauenfußball zwischen 1955 und 1991 zu? Die vorliegende Medienauswahl orientiert sich an der pragmatischen Querschnittsanalyse folgender Bestände, die auch für den historischen und sportlichen Teil ausgewertet wurden: Für die DDR-Perspektive lagen thematisch relevante Artikel der zwei überregionalen Sportzeitungen Deutsches Sportecho und Die neue Fußballwoche sowie ausschnittsweise Betriebszeitungsartikel und Berichte aus dem Magazin Für Dich vor. Ferner wurde die Fernsehberichterstattung zur DDR-Bestenermittlung und zur Gründung der DFV-Nationalmannschaft in Sport Aktuell und Halbzeit punktuell analysiert sowie der Spielfilm Nicht Schummeln, Liebling! und der Amateurfilm Trikotwechsel beispielhaft für die Zeitgeistbestimmung von 1973 und 1984 untersucht. Zudem konzentriert sich die Analyse auf längere Artikel bzw. Fernsehbeiträge von mindestens einer Minute.

Die bundesrepublikanische Seite wurde vergleichend hinzugezogen, allerdings – mit Ausnahme der 1960er Jahre – nicht in dem gleichen Ausmaß analysierend betrachtet. Hier stützt sich die Analyse auf eine Auswahl der Bundespressedokumentation von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel, der Welt und auf einen fast 300 Artikel umfassenden Fundus der West-Berliner Fußball-Woche. Ferner dienten ein Radiobeitrag des SFB zum Schulfußball von 1982 und weitere Fernsehausschnitte zur Rekapitulation des Zeitgeistes. Die Medienanalyse widmet sich den Themenfeldern Rolle der Fußballerin im Gesellschaftsbild und Gender und Medien im Frauen- bzw. Damenfußball.

Die Analyse verfolgt dabei den Anspruch – trotz dieser Rahmenvorgaben -, die vorliegende Berichterstattung so neutral wie möglich zu sehen. Im Vordergrund stehen die Bestimmung des Zeitgeistes und der politikhistorische Kontext, um sich mit den gängigen Ansichten und Vorurteilen zur Entwicklung des Damen- und Frauenfußball bis 1991 in Deutschland kontrovers auseinanderzusetzen.

1960er Jahre: Nicht um das Für und Wider!
Die Medienberichterstattung zum Frauen- und Damenfußball im geteilten Deutschland hatte nicht nur aufgrund der unterschiedlichen politischen Gesellschaftsverhältnisse zu Beginn einen je eigenen Fokus. Auf westdeutscher Seite beeinflusste der Gewinn des Weltmeistertitels der deutschen Fußballer in Bern 1954 und das seit 1955 existierende Verbandsverbot die mediale Darstellung. In der DDR hatten die Frauen erstmals 1960 mit einem Artikel in der ostdeutschen Fußball-Woche auf sich aufmerksam machen können. Weitere Leserbriefe zur Entwicklung des Frauenfußballs tauchten hier aber erst ab 1967 im Deutschen Sportecho auch.

Rolle der Fußballerin im Gesellschaftsbild
Fußballerinnen in der DDR, die ab 1960 diesen Sport auszuüben begannen, traten in eine Zeit, in der unter dem Label der sozialistischen Emanzipation der Frau geschlechtsspezifische Veränderungen initiiert und propagiert wurden. Zum einen ging es um die erfolgreiche Eingliederung der Frauen in die Arbeitswelt, zum anderen wurde die Kinderbetreuung von staatlicher Seite enorm forciert. Die Mütter erhielten bei den häuslichen Pflichten öffentliche und betriebliche Unterstützung: Ideologische und ökonomische Zielsetzungen trafen dabei zusammen: Die von den marxistischen Klassikern geforderte Befreiung des weiblichen Geschlechts durch seine Eingliederung in den Produktionsprozess entsprach angesichts des Mangels an Arbeitskräften voll und ganz den Intentionen von Partei und Staat.

Die meisten Fußballerinnen waren Singles, gingen zur Schule oder steckten gerade in der Ausbildung. Unter ihnen gab es nur wenige Spielerinnen mit Mann und Kind. Die ersten Artikel von Journalisten oder Fans des frühen weiblichen Fußballsports blieben zumeist auf einer Ebene der Neugier. Eines der wohl frühesten ersten journalistischen Zeugnisse zum Frauenfußball in der DDR wollte im Februar 1960 die ersten Bemühungen der Fußballfrauen nicht bewerten, den Lesern aber zeigen wie sich das „schwache“ Geschlecht in dieser typisch „männlichen“ Sportart verhält.

Dieser erste Artikel zum Frauenfußball in der DDR wies daraufhin, dass erste Gehversuche des weiblichen Fußballsports in diesem Teil Deutschlands vollzogen wurden. Die beiden kurzen Artikel zur Bildreportage gingen zwar auf den laienhaften Umgang der Frauen mit dem Ball ein, bescheinigten ihnen aber Kampfeseifer und den Willen, dieses Spiel zu gewinnen. Die dazu abgedruckten Bilder zeigten alle Elemente des Fußballspiels – von Entsetzen und Willen bis Enttäuschung.

Mit Blick auf die Anfänge des DDR-Frauenfußballs in Mitteldeutschland wurde bereits daraufhingewiesen, dass mit der Ausbildung von Schiedsrichterinnen ab 1964 den Frauen vermehrt Zugang zum Fußballsport gewährt wurde. Der Frauenfußball schlich sich somit langsam in die Verbandsstrukturen ein, auch wenn der DFV der DDR 1967 auf Nachfrage der Leipzigerin Waltraud Horn ihren Sport in der Messestadt anfangs nicht fördern wollte. Das Deutsche Sportecho druckte allerdings folgenden Leserbrief ab, der so schon frühzeitig eine Lanze für die Fußballerinnen brach: Viele Neugierge kamen kürzlich auf den Platz der BSG Lok Leipzig-Nordost. Sie erhofften, eine Gaudi zu erleben: Vier Mannschaften aus Halle, Wittenberg, Bergwitz und Leipzig trafen sich zu einem Fußballturnier – Fußballerinnen wohlgemerkt! Aber die da ihren Spaß haben wollten, sahen sich schnell getäuscht. Die Mädchen und Frauen auf dem Rasen nahmen ihr Spiel durchaus ernst, und sie verstanden manchmal besser mit dem Leder umzugehen als mancher männliche Kollege. Der Leserbriefschreiber zeigte sich zudem wenig erfreut darüber, dass Frauenfußball vielerorts nicht für voll genommen wurde.

In der Gesamtanalyse der Frauenfußballberichterstattung im Deutschen Sportecho wurden in 22 Jahren zwar nur 90 Artikel abgedruckt, aber eine solche Resonanz hätten sich die Damen in der Bundesrepublik ebenfalls von Beginn ihrer Fußballbewegung an gewünscht. Stattdessen dominierte dort das Verbandsverbot des DFB die öffentliche Sichtweise über diesen neuen Sport, die sich zu Beginn v. a. mit der gesundheitlichen Perspektive beschäftigte: Der Mediziner Albert Zapp übertrug die Ergebnisse psychologischer und gynäkologischer Studien über die Schädlichkeit von Leistungssport für Frauen auf das Fußballspiel. Mit Hinweisen auf gefühlsmäßige Grenzern für den Frauensport und das Naturgesetz der Geschlechter, das einen Sport wie Fußball für die Frauen nicht vorsehe, lehnte er den Frauenfußball ab. Ein Cartoon brachte Zapps Aus-führungen auf den Punkt. Damenfußbalh als Zirkusveranstaltung ähnlich den Frauen- Ringkämpfern, der eigentliche Platz der Frauen – mit der Familie auf der Tribüne statt auf dem Spielfeld.

Das Bild der Fußballerinnen in der DDR war zu Beginn der 1960er Jahre vielleicht etwas ungewohnt, aber die Berichterstattung griff die Vorgabe des damaligen Freizeit- und Erholungssportes sowie der Betriebe auf. Diese zeigten sich zumeist offen erfreut darüber, fortan Fußballerinnen in ihren Reihen zu haben. Beispielsweise feierte die Be-triebszeitung der Brennpunkt vom VEB Pentacon Dresden ihr kürzlich gegründetes Damenteam mit dem Artikel Junge Mädchen, Sonnenschein und Fußball. Der letzte nachweisbare frühe Hinweis zum Frauenfußball in der DDR stammt ebenfalls aus Leipzig: Mag es auch wie ein Spaß klingen: man wird sich in Leutzsch auch des Frauenfußballs annehmen, nach dem bei Lok Leipzig Nordost entstand und von Chemie-Anhängerinnen eine Vertretung der „Mädchen, Bräute und Frauen gewünscht wurden.

Die Fußballfrau in der DDR konnte also zumeist nur ein Mädchen, eine Singlefrau oder eine Braut sein. Mit der Ehe war die Fußballkarriere scheinbar vorbei. Dass es dabei mehr als nur einzelne Ausnahmen gab, zeigt etwa das Beispiel der BSG NAGEMA Neubrandenburg, wo der Betreuerstab um Werner Lenz – darunter seine Frau – regelmäßig die Kinder der Spielerinnen betreute, während diese Fußball spielten.

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